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Die Seelenkönigin von Hans-Wolff Graf auch als Hörbuch von Radio39

Die Seelenkönigin – Ein Hörbuch von Radio39

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Die Seelenkönigin von Hans-Wolff Graf als Hörbuch von Radio39

In diesem Hörbuch geht es darum, die eingefahrenen Gleise des Denkens, Fühlens und Handelns auf den Prüfstand zu stellen, kritisch zu hinterfragen und die Wichtigkeit und Werthaltigkeit dieser „Parameter unseres täglichen Lebens“ zu überdenken, um den Weg zur inneren Klarheit zu finden. Mit der neugewonnenen Sichtweise kann es gelingen, das Leben zu seiner Erfüllung zu bringen.

Hans-Wolff Graf hat diesen Text ursprünglich als Buch für seinen Sohn Christian geschrieben, als dieser noch ein Kind war – ein Leitfaden für dessen Lebensweg. Heute ist Christian erwachsen und selbst Vater einer kleinen Tochter. Er ist Audio-Techniker geworden, und in diesem von Radio 39 produzierten Hörbuch spricht er, gemeinsam mit Dagmar Dempe und Robert Amper, die Rolle des Chrissie.

Für Christian war es eine Begegnung mit seiner eigenen Kindheit und eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Elternschaft. Hören Sie die ersten Kapitel des Buches „Die Seelenkönigin„.

 

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Das Buch:

Diese auf 500 Exemplare limitierte Auflage wurde von der ‚pAS – private Akademie für die Selbständigkeit GmbH‘ herausgegeben und kann für 10 € über diese bestellt werden. (info@private-akademie.com)

 

Die Seelenkönigin – Der Weg zur inneren Klarheit

Seelenkoenigin

Die Sonderausgabe 2016 info@private-akademie.com

Eigentlich erscheint uns der Tod eines uns wichtigen Menschen als schreckliches Ereignis; wir fühlen uns beraubt, verlassen und trauern. Dabei gibt es zum einen nur wenige derart natürliche Ereignisse in unserem Leben wie den Tod, zum anderen liegt es bei uns, ob wir uns „berauben“ lassen und „verlassen“ fühlen, oder aber den Wert, das Wesen, seine Bedeutung und unsere Liebe zu demjenigen bewahren, der nun physisch nicht mehr bei uns ist.

Chrissie, der Protagonist unseres „Märchens“, begleitet Yvy, die ‚Seelenkönigin‘, seine pädagogische Meisterin und Freundin, auf ihrem letzten Weg, um dann urplötzlich zu erkennen, wie omnipräsent sie nach wie vor in seinem DenkFühlen verblieben ist – für ihn spür-, erlebbar und als Ratgeber zur Verfügung stehend, wann immer er ihrer bedarf, nach ihr sucht, sie um Erklärungen und Hilfe bittet.

Zu Beginn bedienen sich beide, Chrissie und Yvy, einer haptischen Hilfe, um zu kommunizieren. Yvy spricht in Mustern und Analogien, Bildern und Parabeln zu ihm – ernst und humorvoll, zart und kraftvoll, gelassen und nachdrücklich, aber immer verständnisvoll, klug und weise. Und allmählich werden für Chrissie Zusammenhänge klarer; Unverständliches löst sich auf; Ängste verschwinden und machen freiheitlichem DenkFühlen Platz, geben ruhigem Erleben Raum.

Er gewärtigt den Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit, öffnet seinen ‚Inneren Monolog‘ zwischen Verstand und Gefühl, Denken und Empfinden, kognitivem Erkennen und emotionalem Aufnehmen. Im gleichen Maße wächst sein Selbstvertrauen und die ruhige Überzeugung, sein Leben angstfrei, mutig und kraftvoll meistern zu können – vielleicht, um dereinst selbst zum begleitenden Meister für Andere heranzureifen……

Letztendlich bedarf es keines gegenständlichen Hilfsmittels mehr, dessen sich Chrissie bedienen müßte, um seine Yvy als lebenslange Begleiterin seines DenkFühlHandelns zu bewahren; der Spiegel wandert weiter – zu dem, der ihn benötigt.

 

 

 

 

 

Bibliothek

Artikel zum Thema „Terror“

Jeder Terror ist ein Akt gegen die Menschlichkeit und Political Correctnes als Meinungsterror

[In Ergänzung zu den angehängten PDFs, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.]

Wer in jedwelcher Form Terror auf Andere ausübt, ist entweder zu beschränkt oder zu bequem, nach Alternativen zu suchen, um seinen Standpunkt zu verteidigen. Wer hierbei sogar aus dem Hinterhalt handelt, muß sich auch noch der Feigheit zeihen lassen.

Lesen Sie hierzu:
Political Correctnes als Meinungsterror (PDF, 35 KB)
Jeder Terror ist ein Akt gegen die Menschlichkeit (PDF, 85 KB)

Hans-Wolff Graf

Bibliothek

Intrigen – Wenn die Seele weint

Intrigen – Wenn die Seele weint

Jeder von uns kennt sie: Menschen, denen man nicht traut, weil sie dazu neigen, ihnen zur Kenntnis Gelangtes nicht nur weiterzuerzählen, um sich damit wichtig oder bei anderen „lieb Kind“ zu machen, sondern dabei auch nach Belieben eigene Gedanken, Meinungen und Bewertungen hinzuzudichten, also auf Wort– und Sinntreue wenig geben.

Es macht uns betroffen, wütend oder traurig, wenn wir dann von dritter Seite erfahren, was diesen als wahr hinterbracht wurde und in welch übler Weise dabei die Wahrheit verzerrt, entstellt oder gar in ihr Gegenteil verkehrt wurde.

Empört versuchen wir dann, das dieserart falsch Übermittelte richtig zu stellen, zu erklären und nicht Erwähntes hinzuzufügen, um der Wahrheit wieder auf die Beine zu helfen. Wir fühlen uns betrogen und verraten, ins falsche Licht gerückt und hintergangen.

Nun beschließen wir, diesem Intriganten gegenüber vorsichtiger zu sein, ihm künftig mehr zu mißtrauen und weniger zu vertrauen. Nicht selten registrieren wir dann jedoch, daß dieser Intrigant nun beileibe nicht sein maliziöses Treiben einstellt oder zumindest reduziert; weit gefehlt – jetzt geht es erst richtig los, und sämtliche Drohungen und Abmahnungen helfen dabei wenig. Der Ertappte versucht nun umso subtiler, seine korruptiven Spielchen weiter zu verfolgen.

Gehen wir in die Offensive und stellen wir den Intriganten offen bloß und zur Rede, wird dieser – je nach Mentalität – entweder heftig und aufbrausend jeden Vorwurf von sich weisen oder (mehr oder weniger geschickt) abzulenken versuchen. Er kramt dann aus einem unsichtbaren, aber stets sorgsam geordneten und „griffbereit“ gehaltenen „Säckchen“ Einzelheiten, Erinnerungsbruchstücke und Geschehnisse (z.B.: „Du hast damals wörtlich gesagt …“), die mit seiner Intrige selbst überhaupt nichts zu tun haben. Sie verfolgen eigentlich nur einen Zweck: alle am Gespräch Beteiligten zu verwirren und von den – sehr wohl empfundenen – Schuldgefühlen des Intriganten abzulenken.

Das Zerwürfnis ist perfekt, die Verwirrung auch. Bis die Beteiligten an einem derartigen (offengelegten) Intrigenspiel wieder zueinander finden und in zweckmäßiger Weise wieder miteinander umgehen, können Wochen und Monate, mitunter sogar Jahre vergehen. Mißtrauen begleitet jeden der Beteiligten von nun an wie ein dunkler Schatten.

Warum intrigiert ein Mensch, obwohl er doch wissen muß, daß die Verbreitung falscher Informationen irgendwann doch ans Tageslicht kommt (und dies zumeist im denkbar ungünstigsten Moment)?

Nun, oftmals deshalb, weil dem Intriganten selbst überhaupt nicht klar ist, daß er intrigiert.

Noch paradoxer: Unterstellt man ihm intrigantes Treiben, würde ihn dieser Vorwurf unsäglich erschüttern und entweder wütend oder traurig machen. Er ist sich der fehlerhaft oder nur fragmentarisch übermittelten Botschaft und deren Inhalte selbst gar nicht bewußt. Er gibt einfach das weiter, was ihm dienlich erscheint. Nur in den seltensten Fällen intrigieren wir bewußt und vorsätzlich.

Dies ist auch der Grund dafür, daß selbst hochintelligente Menschen oftmals auf so verblüffend dumme Art und Weise intrigieren, daß die Gefahr der Entdeckung der Intrige beinahe unausweichlich vorprogrammiert ist.

Was sind die Motive eines Menschen, der intrigiert?

Zuvorderst sind dies Minderwertigkeitskomplexe, das Gefühl, hintangestellt zu sein, nicht der eigenen Leistung entsprechend honoriert und geachtet zu werden. Dahinter kann sich Eifersucht verbergen, verletzter Stolz, das Gefühl der Nichtbeachtung oder das vermeintliche Bewußtsein um eigene Schwächen, die auf diese Art und Weise kaschiert werden sollen.

Stellen Sie sich dazu ein Gesellschaftsspiel vor. Es gehört schon eine gewisse Charakterfestigkeit dazu, nicht zu schummeln, wenn sich einem dazu die Gelegenheit bietet. Auf der anderen Seite: Wir alle kennen das Gefühl, einen Sieg gar nicht richtig auskosten zu können, wenn wir ganz genau wissen, daß wir geschummelt, also betrogen haben.

Warum intrigieren wir dann aber oftmals gegen Menschen, die wir eigentlich lieb haben, deren Vertrauen uns wichtig ist und die wir um Himmels willen nicht verlieren wollen?

Hier könnten wir Altvater Goethe zitieren: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“. Doch das Problem ist damit nur unzulänglich erklärt.

Schon eher hilft uns der klassische Satz weiter: „Zwei Seelen leben – ach – in meiner Brust“. Und so ist es tatsächlich: In jedem von uns wohnt ein ICH, das höchst liebevoll und warmherzig, vertrauensvoll und menschlich-nahe mit seiner Umwelt korrespondieren möchte. Dieses ICH ist glaubensfähig und geradezu kindlich-naiv, heiter und lustvoll-lebendig, eben natürlich. Nennen wir dies das helle ICH.

Andererseits tragen wir in uns ein zweites ICH, welches von unerfüllten Träumen und Wünschen, Niederlagen und fiktiven Ängsten arg gebeutelt sein Unwesen treibt. Dieses zweite ICH, das dunkle, kennt den Schmerz des Verlustes, des Alleingelassen-Seins, der Zurückweisung und des Weniger-Wert-Seins. In diesem zweiten ICH finden wir all die negativen Bannbotschaften verankert, mit denen wir im Laufe unserer Erziehung in Kindheit und Jugend „vertraut“ gemacht wurden („das klappt sowieso nicht“ oder „das darfst/kannst Du nicht“, etc.), es ist das adaptierte und höchst un-natürliche genormte ICH.

In diesem zweiten ICH erarbeiten wir all die Umwege und (vermeintlichen) Abkürzungen, die – so hoffen wir – uns an die erstrebten Ziele bringen, ohne daß wir Fehler machen (vor denen wir schon deshalb Angst haben, weil sie regelmäßig mit Strafe, Vorwurf, Mißachtung oder Spott aus unserem Umfeld geahndet werden). Beinahe jedes Mittel ist uns recht, wenn es darum geht, Verluste zu vermeiden, den eigenen Wert nicht hintangestellt zu sehen, nicht zweiter Sieger zu sein.

Gerade wenn uns Menschen lieb und teuer sind, versuchen wir, deren Nähe notfalls auch zu erzwingen, sie von anderen fernzuhalten, die wir als Bedrohung für uns selbst empfinden. Daß dabei auch der geliebte Mensch nicht selten getroffen und verletzt, ins schlechte Licht gerückt und regelrecht verraten wird, kommt uns in diesem Moment gar nicht zu Bewußtsein.

Wie findet der Intrigant willige Opfer seiner Intrigen?

Nun, der Intrigant beweist bei seinem Vorgehen oftmals ein erstaunlich gutes Gespür dafür, wem er mit welchen Falschmeldungen am besten zuleibe rückt. Intrigen gedeihen am besten als Dialog zwischen zwei (oder mehr) ICHs der dunklen Art. Das dunkle ICH des Intriganten adressiert also ganz intuitiv und höchst subtil das dunkle ICH seines Gegenüber, bei dem er spürt, wie gierig der korruptive Inhalt der Botschaft aufgesaugt und als wahr ins eigene Meinungsbild gebettet wird.

Man könnte sagen: Zwei verletzte ICHs korrespondieren herrlich miteinander, weil sie unter ähnlichen Verlust- bzw. Versagensängsten leiden.

Träfe nämlich der Intrigant auf einen freien, authentischen Gesprächspartner, würde dieser bereits beim geringsten Verdacht, daß es sich um Wichtigtuerei, Tratsch oder eine handfeste Intrige handelt, den Intriganten unterbrechen und entweder denjenigen ins Gespräch ziehen, um den gerade eine Intrige geflochten wird, oder er würde sich jede Art intriganten Geschwätzes tunlichst verbitten.

Welcher Mittel bedient sich der Intrigant?

Er appelliert, wie bereits erwähnt, an die fiktiven Ängste seines Gegenübers und dies vornehmlich unter dem „Siegel der Verschwiegenheit“. Er verkauft sein (angebliches) Wissen dabei entweder völlig „uneigennützig“ oder zeigt – diese „Verpackung“ wird besonders gerne genommen – eigene Bestürzung, Trauer oder Empörung ob des (angeblich) Gesagten oder Getanen.

Je verletzter und empörter der Intrigant ist, umso willkürlicher flicht er Einbildung und Wunschdenken, Trauer und Wut um die tatsächlichen Geschehnisse. Er reißt aus dem Zusammenhang, zitiert bruchstück- und fehlerhaft, verweist auf (scheinbar) logische Zusammenhänge mit anderen Ereignissen (die damit zumeist überhaupt nichts zu tun haben). Je bereitwilliger das dunkle ICH seines Gegenüber die maliziösen Inhalte der Intrige aufnimmt, desto mehr steigert sich der Intrigant in seine eigene Intrige.

Anthony Greenwald, ein Hirnforscher, spricht hier von einem „totalitären Ego, das durch Interpretationen die eigenen Erfolge unangemessen hervorhebt und den Anteil Anderer schmälert“. Hierbei werden Erinnerungen nicht von Fakten, sondern von Meinungen bestimmt und, wie der Psychologe Don McAdams von der North-Western University in Illinois bekräftigt, konstruiert die subjektive und ausschmückende Erzählung die Vergangenheit. Dieses totalitäre Ego geht bei der Weitergabe von derartigen „Informationen“ oft so geschickt vor, daß es höchst vertrauenswürdig wirkt und nur dann weitergegebene Halb- und Unwahrheiten ans Tageslicht kommen, wenn der mit Desinformationen versorgte Gesprächspartner diese zu hinterfragen die Gelegenheit hat und sich die Zeit nimmt – was oftmals nicht möglich ist – und versuchterweise eben dadurch unterbunden wird, daß man die weitergegebenen Botschaften unter das „Siegel der Heimlichkeit“ stellt. „Wissens“vorsprung suggeriert Macht, Überlegenheit und steigert das Eigenwertgefühl des totalitären Egos.

Wir versuchen, so der Psychologe John Koter, „unser Erwachsenenalter wie Künstler zu durchlaufen, indem wir ständig das Selbstportrait übermalen, das wir erstmals in der Jugend anlegten“.

Speziell in Disstreß*-Situationen spielt uns unser Gedächtnis, bedingt durch die großen Mengen an ausgeschüttetem Cortisol (ein Streßhormon, das durch unsere Eingeweide tobt), einen Streich, wobei Isabella Heuser, Professorin am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, den Verdacht äußert, daß eben dieses Cortisol Nervenzellen im Hippocampus, dem wichtigsten informationssteuernden Zentrum im Gehirn, nachhaltig schädigt – offensichtlich ein Hinweis darauf, daß negativer Dauerstreß für das Gedächtnis nicht gut ist. So kommt es speziell bei Trauer und nach Todesfällen zu einer Art Depression, die dann von einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung begleitet wird. Es scheint also etwas daran zu sein, wenn der Volksmund sagt: „Streß macht alt“ – wobei hier präziser von negativem, also Disstreß, gesprochen werden muß. So erhöht sich unter Disstreß die Herzfrequenz, der Schlaf leidet, und es scheint, daß Disstreß-reiche Situationen den Alterungsprozeß beschleunigen. Zwanghafte Vorstellungen, die mit Versagens- und Verlustängsten einhergehen, können also buchstäblich Halluzinationen hervorrufen, die den davon Geplagten zwischen Wahrheit und Angst-stimulierten Irrealitäten nicht mehr unterscheiden lassen.

Zusammengefaßt: Hinter Intrigantentum, dem berühmten Hinter-dem-Rücken-Reden, dem Anschwärzen und Verleumden steckt also vornehmlich ein ganzes Arsenal von Versagens- und Verlustängsten, Autoritäts- und Minderwertigkeitskomplexen, Verlassenheitsphobien, manischen Selbstwertzwängen und anderen seelischen Traumata, deren Ursachen weit in die Kindheit zurückreichen, dort manifestiert und in unseren Lebensbaum eingegraben („engrammiert“) wurden. Diese Engramme wieder aufzuarbeiten und zu glätten ist insofern schwierig (manchmal sogar unmöglich), als dazu die Bereitschaft des Menschen gehört, sich auch dem Schmerz der Wiedererkennung zu stellen – vergleichbar mit der Angst vieler Menschen vor Spritzen, von denen wir zwar glauben (bzw. sogar wissen), daß sie uns helfen, deren Einstichschmerz (und das manchmal begleitende Druckgefühl, Übelkeit, etc.) wir jedoch beinahe noch mehr fürchten.

Viele dieser Menschen fühlen sich auch subjektiv „beschwerdefrei“ – wir kennen dies alle: Niemand hat Zahnschmerzen, wenn er im Wartezimmer des Zahnarztes sitzt.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, daß sich die meisten Intriganten – Intrige ist ja kein

24-Stunden-Job – oftmals auch sehr gewinnend und sympathisch, hilfsbereit und herzlich geben, man ihnen also ihr intrigantes Treiben (was ja spontan und in Schüben auftritt) eigentlich gar nicht zutrauen mag.

Schmerzlich beschämend ist für den Intriganten, der, wenn ihm seine Intrige brachial nachgewiesen wird, sich selbst nicht versteht, daß er sich und seiner Umwelt sein intrigantes Tun überhaupt nicht erklären kann. Die Einsicht darein, illoyal gewesen zu sein, unfair gehandelt zu haben und womöglich ihm liebe Menschen verraten und getäuscht zu haben, wirkt auf den Intriganten mitunter wie ein Schock. In der Folge zweifelt er an sich selbst, das Mißtrauen gegenüber der eigenen Urteilskraft, eigenem Tun und Handeln nimmt peu à peu zu und verunsichert ihn sogar noch zunehmend.

Intrigen wirken also – wenn sie nicht sauber erkannt, besprochen und offengelegt werden – wie ein Teufelskreis, durch den sich der Intrigant zunehmend selbst vergiftet – mit fatalen Folgen für sein eigenes System; früher oder später wird der Intrigant – abhängig von Häufigkeit und Grad seiner Intrigen – zwangsläufig körperlich, geistig oder seelisch ernsthaft erkranken, und der jeweils schwächste Teil seines Gesamtsystems wird dabei als erstes in Mitleidenschaft gezogen. Leider werden die daraus erwachsenden gesundheitlichen Schäden – seien dies Allergien oder Kreislaufstörungen, Ödeme oder Magengeschwüre bis hin zu verschiedenen Krebserkrankungen – dann nur medikamentös oder operativ (also exogen, d.h. von außen) therapiert, als daß – was äußerst schwierig ist und die meisten Humanmediziner auch völlig überfordert – auf die Ursachen der körperlichen Fehlfunktionen eingegangen wird.

Die Tendenz dazu, sich auf intriganten Pfaden Wohlwollen und Anerkennung, Liebe und Zuneigung, Dank und Lob zu sichern, erwächst aus Mustern, deren Ursachen bis weit in die Kindheit zurückreichen. Die Unfähigkeit vieler Eltern, Kindern gegenüber eigenes Versagen zu gestatten und einzugestehen, ihre Tendenz, sich dann lieber in Ausreden zu flüchten oder gar apodiktisch die eigene Schuld zu verklären („immerhin bin ich Deine Mutter“ oder „als Dein Vater werde ich wohl wissen, was richtig und falsch ist“), wird dem Kind die klare Meldung vermittelt, es gefährde die Nähe und Liebe seiner Eltern, wenn es nicht bereit sei, sich auf diese „Spielchen“ einzulassen. Da Eltern – zumindest für noch junge Familienmitglieder – per se Recht haben und nicht irren können, übernehmen die Kinder dann auch im späteren Leben diese Verhaltensmuster und nötigen damit ihren späteren Lebens- und Arbeitspartnern (sowie natürlich ihren Kindern) die gleichen Verhaltensweisen auf, deren tragische Pervertiertheit ihnen oftmals gar nicht klar ist.

Wiewohl sie spüren, daß hier etwas faul ist – bei Anderen empören sie sich ja sehr unzweideutig über deren Intrigen –, fürchten sie gleichwohl die Offenlegung ihrer eigenen Intrige, da ihnen schwant, daß sie durch die Offenlegung einer Intrige die Liebe des Anderen gänzlich verlieren (so wie ihre Liebe den eigenen Eltern gegenüber ja ebenfalls arge Einbußen erlitt, die sie sich jedoch – wiederum kultural bedingt – nicht einmal selbst einzugestehen wagen). Der eigene erlebte Vertrauensschwund (gegenüber den Eltern) wird dann auf die Umwelt projiziert, was weitere Ängste auslöst und den Intriganten immer weiter in die eigene Verhaltensweise treibt.

So gesehen ist der Intrigant ein beinahe bemitleidenswertes Opfer seines eigenen Fehl-DenkFühlHandelns. Wer im Rahmen einer Offenlegung dieser Verhaltensweisen aus diesem circulus vitiosus aussteigt – im Rahmen einer intensiven Psychoanalyse oder in psychologischen Seminaren –, kann mit diesem „Bann“ tatsächlich brechen. Er wird eine ungeheure Befreiung erleben, angstfrei zu vergeben lernen und die vormals oktroyierten Engramme auch vollständig glätten können. Selbstverachtung mündet dann in ein höchst befreiendes Selbstachtungsempfinden – vor allem wenn er registriert, daß seine Umwelt diese Wandlung nicht mit Häme und Spott begleitet, sondern diesen Umschwung ebenfalls erleichtert und freudvoll registriert.

Fazit: Je authentischer, d.h. ehrlicher und echter ein Mensch sein Leben lebt, er mit Siegen und Niederlagen gleichermaßen zu leben lernt und keine Zuflucht zu „Umwegen“ sucht, desto weniger Disstreß-behaftet wird er sein Leben führen – privat wie beruflich – und umso gesünder wird er sein System, seine „Triade“ aus Körper, Geist und Seele erhalten und genießen können.

 

Hans-Wolff Graf

* negativer Streß

Artikel zum Download:
Intrigen – Wenn die Seele weint (PDF)

Der russische Mythos

Der russische Mythos

Frankfurter Rundschau
23. März 2015
Von INNA HARTWICH

Zwischen Leid und Hoffnung: Weil den Russen für das Unfassbare ihrer Geschichte und Kultur die Worte fehlen, flüchten sie sich in ein Konstrukt. Eine kleine Erkundung der rätselhaften „russischen Seele“.

Europa fängt an einer Straßenlaterne an, in Blau-Weiß. Asien hört hier auf, in einem länglichen Schild, halbherzig an den Betonpfosten montiert, blau-gelb die Farben. Vielleicht beginnt Asien hier aber auch erst, und Europa geht an dieser Flussbrücke zu Ende. Vielleicht ist Asien rechts und Europa links, vielleicht ist Europa im Osten und Asien im Westen. In Orsk, dieser Industriestadt 1700 Kilometer von Moskau weg und fast schon an der kasachischen Grenze, kommt es immer auf den Standpunkt des Betrachters an.

Orsk ist wie Istanbul, wo Asien und Europa aufeinandertreffen. Doch an den Bospurus ist hier schon lange keiner mehr gereist. In Orsk haben sie den Ural, die Trennungs- und Verbindungslinie zugleich. Eine klapprige Trambahn ruckelt über die Brücke in die Altstadt, hier in Asien fing die Stadtgeschichte einst an. Das europäische Orsk entstand erst später, mit Plattenbauten und Hüttenwerken. Ein perfekter Ausgangspunkt, sich auf die Suche nach einem Mythos zu machen. Nach einem Klischee, das Ost und West zugleich gern gebrauchen, um das, was nicht zu erklären ist, doch noch in Worte zu fassen. Was hat es nur auf sich mit Russlands viel besungenem wie nebulösem Gemüt?

„Die russische Seele?“ Iwan lacht laut und blickt belustigt durch den Raum. „Russland ist sehr beseelt und seelenlos zugleich, das ist das Dilemma“, sagt er in seiner Küche, auf dem Tisch vor sich einen Trockenfisch und ein Gläschen Wodka. Iwan heißt nicht Iwan, aber in einer ausländischen Zeitung mit seinem richtigen Namen zu erscheinen, kann in diesen Tagen gefährlich werden, zumal wenn jemand, wie er, für den Staat arbeitet, wenn jemand so in die Sicherheitskreise eingebunden ist, dass er – als vermeintlicher „Geheimnisträger“ – gar nicht mehr ins Ausland reisen darf, Russlands Regierung hat es verboten. Das ärgert Iwan, aber „im Grunde“, sagt er, „ist es dennoch richtig, dass wir es euch“, er meint Europa und vor allem die USA, „einmal zeigen, mal auf die Pauke hauen. Dass wir euch klarmachen, dass wir stark sind.“ Der Provinzpolizist wirkt aufgebracht und ernüchtert zugleich. „Selbst, wenn wir nichts zu zeigen haben und voller Schwäche darniederliegen, wirtschaftlich, moralisch, wohl auch politisch. Das ist das Selbstmörderische an uns Russen. Vielleicht ist das auch die russische Seele: sich selbst zu belügen.“ In Iwans warme Küche kehrt Schwermut ein…

Lesen Sie weiter unter:
www.fr-online.de/panorama/russland-der-russische-mythos,1472782,30197796.html

Renovierungsarbeiten im Kulturzentrum Krasnolessje

Die Renovierungsarbeiten im Kulturzentrum Krasnolessje sind abgeschlossen.

Als ich im letzten Sommer das Kulturzentrum in Krasnolessje besuchte, war ich über dessen Zustand sehr erschrocken. Irina Kowardo, die Zentrums-Leiterin des, erzählte jedoch, daß sie ein Preisausschreiben mitgemacht und gewonnen hätten, so daß sie nun dank des Geldgewinns mit der Renovierung beginnen könnten. Was für eine Freude, nun das Ergebnis sehen zu können und ihren Artikel über die Renovierungsarbeiten aus Krasnolessje hier zu veröffentlichen:

Nicola Trautner

Durch die Teilnahme am Wettbewerb „Innovationen“, bei dem wir den 2. Platz in der Kategorie „Bestes ländliches Kultur- und Freizeitzentrum“ belegten, konnten wir mit der gewonnenen Summe von 200.000 Rubel (ca. 3.000 €, Red.) mit der Renovierung des Kulturhauses beginnen. Dank der zusätzlichen Unterstützung des Ministeriums für Kultur des Kaliningrader Gebiets war es uns möglich, die meisten Renovierungsarbeiten durchzuführen.

Die Wände wurden von ihrer Verkleidung befreit und neu gestrichen; im Saal wurden die Beleuchtung ersetzt, eine „bewegliche“ Trennwand eingebaut und die notwendigsten Stellen des Bodenbelags erneuert. Um den Bodenbelag komplett neu zu verlegen, fehlten uns jedoch die Mittel – es handelte sich um nochmals 200.000 Rubel –, und an dieser Stelle hätten wir die Arbeit abschließen müssen. Da wir aber nicht aufgeben wollten, unternahmen wir alle möglichen Versuche, um finanzielle Hilfe dafür zu bekommen. Wir klopften an jede Tür, stellten Anträge und wandten uns an einen Baumarkt.

Der Verein „Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt, vertreten durch Jürgen Leiste, spendete 20.000 Rubel, und Alexei Pachomow, ein Geschäftsmann aus Kaliningrad und ehemaliger Absolvent unserer Schule, schenkte uns ebenfalls 20.000 Rubel. Diese Mittel wurden für die Renovierung der Bühne ausgegeben. Wjatscheslaw Stoljarow sponserte das Anstreichen des Bodens. Nach einem Blick auf die neuen Wände und die Bühne kamen wir zu dem Schluß, daß wir auch einen neuen Bühnenvorhang benötigten. Was tun? Wir verfügten noch über eine Summe von 20.000 Rubel. Das war eine Prämie der Stadtduma Kaliningrad an die Mitarbeiter unseres Kulturzentrums.

Wir berieten uns und beschlossen, die gesamte Summe für einen Vorhangstoff auszugeben. Die Mittel für das Anfertigen des Vorhanges bekamen wir von Sponsoren, hinzu kamen unsere persönlichen Ersparnisse. Schließlich war der Bühnenvorhang fertig, doch nun brauchten auch die Fenster eine neue Dekoration. Vor dem Jahreswechsel, der bei uns besonders gefeiert wird, blieb nur sehr wenig Zeit und noch weniger Geld. Wir buchten das letzte Geld vom Konto unseres Kulturzentrums ab. Dieses Geld stammte aus den Einnahmen der Diskoabende und von bezahlten Dienstleistungen. Mit unserer Bestellung wandten wir uns an den Salon „Gardinenjahreszeiten“ aus Gusev, und Tatjana Roshkowa, die Besitzerin, nähte für uns den Bühnenvorhang und fertigte auch in kürzester Zeit die Gardinen für die Fenster an.

Parallel zu den Renovierungsarbeiten liefen die Vorbereitungen für die Neujahrsfeier im Kulturzentrum. Es kam die Frage über den Kauf eines künstlichen Tannenbaums auf, da wir das Aufstellen einer echten Tanne im Saal als problematisch ansahen, denn die neuen hellen Wände könnten beschädigt werden. Das Deutsch-Russische Haus in Kaliningrad ließ uns seine Hilfe zukommen. Von den für die Weihnachtsfeiertage zugewiesenen Mitteln konnten wir schließlich eine künstliche Tanne kaufen. Im Kulturzentrum gab es auch kein eigenes Väterchen Frost-Kostüm (in Rußland der Weihnachtsmann, Red.). Doch auch das Kostüm sowie kleine Geschenke für den Geschenkesack von Väterchen Frost konnten dank der finanziellen Unterstützung aus unserer Gemeinde und der Verwaltung der Tschistoprudnenskoje selskoje poselenije (Landgemeinde), vertreten durch Irina Konaschenkowa, angeschafft werden.

Zur selben Zeit wurde auch das Projekt „Soziales Kino“ in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation ProfKo (Kaliningrad) verwirklicht. Das Projekt ermöglichte den Ankauf einer Kino-Ausrüstung und neuer Stühle für die zukünftigen Zuschauer.

Alleine hätten wir das alles nicht geschafft, und den neuen Bodenbelag bekommen wir auch noch hin – der nächste Wettbewerb kommt bestimmt.

Besonderen Dank richten wir an:

Die Verwaltung Nesterowskij Rajon“, vertreten durch I. Opryschko; das kommunale Institut „Nesterow RMZK“, vertreten durch die Direktorin Galina Wolkowa; Wladimir Sudian und sein Arbeiterteam aus Gusev; das Deutsch-Russische-Haus; den „Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt“ sowie an die gemeinnützige Organisation „ProfKo“, speziell A. Pachomow, W. Stoljarow und W. Mironow.

Für die technische Unterstützung danken wir sehr herzlich Wiktor Pachomow und Alexander Juchiewskij und den Mitarbeitern des ‚Ökologisch-historischen Museums Wystiter See‚‘ Eduard Barsukow und Alexej Sokolow.

Als Silvestergeschenke bekamen wir einen Laptop sowie einen Drucker von NRD und eine Mikrowelle von der Kulturabteilung der Verwaltung „Nesterowskij Rajon“.

Nach all dem können wir nun dankbar sagen: Langsam geht es aufwärts – Schritt für Schritt!

Die Mitarbeiter des Kulturzentrums in Krasnolessje

Fotoalbum der Renovierungsarbeiten im Kulturzentrum Krasnolessje:

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Das Kaliningrader Gebiet – Entwicklung, heutige Situation und Perspektiven

Das Kaliningrader Gebiet
– Entwicklung, heutige Situation und Perspektiven

Das Kaliningrader Gebiet

Inspiriert durch eine Ausarbeitung, die Marina Nazarova, Mitglied des russischen und deutschen Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt, für ihr Master-Studium „Ost-West-Studien“ geschrieben hat, griff ich ebenfalls zur Tastatur.

Ihre Arbeit trägt den Titel: Kaliningrader Exklave: ‚Doppelperipherie‘ oder Pilotregion? – Perspektiven der Kaliningrader Region in den Beziehungen zwischen Rußland und der EU. Das Thema wurde von Marina Nazarova aus persönlicher Sorge um das Schicksal der Kaliningrader Region gewählt sowie aus der inneren Überzeugung heraus, daß dieses Gebiet als gutes Beispiel für ein weiterhin friedliches Miteinander zwischen Rußland und der EU dienen könnte.

Da ich dieses aktuelle Thema als äußerst wichtig erachte, nicht nur in Bezug auf Kaliningrad sondern, auch im Hinblick auf die Bedeutung von Grenzziehungen und die Kriegsführung politischer Akteure für die betroffene Bevölkerung, hier einige Gedanken:

Problematik einer Exklave

Eine Exklave ist ein Gebiet, das vom Kern- bzw. Mutterland getrennt und somit von einem oder mehreren anderen Ländern umgeben ist. Diese räumliche Trennung stellt eine besondere Herausforderung für die Versorgung der in der Exklave lebenden Bevölkerung (Export/Import, Transit ins/vom Kernland, etc.) dar, da der Güterverkehr durch ein fremdes, eventuell feindlich gesinntes Land führen muß – im Falle Kaliningrads sind dies Polen und Litauen.

Der Begriff Enklave bedeutet, daß das Gebiet in einem fremden Staatsgebiet eingeschlossen ist – im Falle Kaliningrads in einem fremden Staatenverbund (EU).

Ich möchte an dieser Stelle nur eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der Kaliningrader Exklave im 20. Jahrhundert aufzeigen, da ich sie für die heutige Situation der dort lebenden Menschen für wichtig erachte:

Das kleine Territorium des ehemaligen Ostpreußens mit der damaligen preußischen Haupt- und Residenzstadt Königsberg (heute Kaliningrad) wurde im 20. Jahrhundert zweimal zur Exklave – Zig-Millionen Menschen starben oder mußten fliehen; sie wurden immer wieder hin- und hergerissen zwischen Sprachen und Kulturen, und sie mußten immer wieder neu anfangen, ihr Leben aufzubauen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden durch den Versailler Friedensvertrag von 1918 Teile Westpreußens, Danzig, die ostpreußische Stadt Soldau und das Memelgebiet vom damaligen ‚Deutschen Reich abgetrennt und – mitsamt den dort Lebenden, und hierum geht es mir in diesem Artikel – an Polen übertragen. Um nach Ostpreußen gelangen zu können, mußte man durch Polen, den sog. „polnischen Korridor“, der den Polen den Zugang zur Ostsee sicherte – ähnlich wie in späterer Zeit der Transit zwischen Westdeutschland und Westberlin funktionierte. Diese Situation führte zu einer wirtschaftlichen Isolation des Gebietes bzw. der dort lebenden Menschen, die bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs andauerte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die „Karten neu gemischt“, und der nördliche Teil Ostpreußens wurde Teil der UDSSR (zu der damals auch noch Litauen gehörte), der restliche Teil ging an Polen. Das Kaliningrader Gebiet wurde zu einer völlig abgeschirmten militärischen Sperrzone, die für Privatpersonen und Touristen nicht zugänglich war. Diese Sperrzone diente als Mittel der Drohung gegenüber Europa, was eine Annäherung an das damalige sozialistische Polen ebenfalls ausschloß. Die Grenzen (auch zum „Mutterland“) waren dicht, was das Gebiet zu einer „inneren Enklave“ der UDSSR machte.

Die Zeit des Zerfalls der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts brachte für das Kaliningrader Gebiet große Veränderungen; es wurde nun von „fremden“ Ländern umgeben, der Zugang für Privatpersonen und Touristen wurde möglich und zog eine bisher ungewohnte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Das Schicksal der Region, die strukturell von der Entwicklung im Kalten Krieg geprägt wurde und deren gesamte wirtschaftliche wie soziale Entwicklung während der Sperrung stagnierte, wurde zum Konflikt- und Problemfeld für Rußland und seine „alten/neuen“ Nachbarländer.

Seit 2004 ist das Kaliningrader Gebiet zu einer russischen Enklave innerhalb der EU geworden – eingeschlossen von den zwei EU- und NATO-Ländern Polen und Litauen. Diese geopolitische Lage beeinflußt alle Aspekte des Lebens in der Region und bestimmt seine wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Diskutierte Szenarien auf Regierungsebenen:

Während der Zeiten als Litauen unabhängig wurde (1991) und der Vorbereitungen zum EU-Beitritt Litauens und Polens wurden von russischen und europäischen Fachleuten und Politikern unterschiedliche Szenarien und Prognosen für die Entwicklung des Kaliningrader Gebiets diskutiert. Erwähnen möchte ich hierbei auch, daß im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands der damalige Präsident Rußlands Michail Gorbatschow dem damaligen deutschen Kanzler Helmut Kohl auch das Kaliningrader Gebiet angeboten hat.

Neben dem Szenario einer „Doppelten Peripherie“, in der Kaliningrad als vergessene Region am Rande Rußlands und der EU dargestellt wurde, in der nicht nur die mögliche Isolation diskutiert, sondern die Strategie erwogen wurde, „das Problem schlicht auszusitzen“, wurde auch über das Szenario einer „Pilotregion“ nachgedacht. Der Begriff der „Pilotregion“ wurde von der russischen Seite 1999 in einen Text („Mittelfristige Strategie gegenüber der EU“) eingebracht, der die Vision Rußlands ausdrückte, das Kaliningrader Gebiet als eine Modellregion für künftige Beziehungen zwischen Rußland und der EU zu betrachten.

Im Zusammenhang dieser Auseinandersetzungen wurden Varianten wie eine „Pilotregion“ als ein „transnationales Projekt“, „Stagnation mit Abhängigkeit vom Import und Präferenzen“ sowie „ein militärischer Vorposten“ (im Falle einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Rußland und der EU/NATO) betrachtet.

Nachdem jedoch 2004 das Transit-Problem gelöst worden war, entstanden keine weiteren Szenarien und die Diskussionen wurden weitestgehend eingestellt bzw. bis heute ungeklärt vertagt.

Das Kaliningrader Gebiet als „Kooperationsregion“

Während auf politischer Ebene die obengenannten Szenarien erarbeitet und besprochen wurden, entwickelten sich schon seit 1991 die ersten grenzüberschreitenden Beziehungen. Von Anfang an waren alle Seiten – Kaliningrad/Rußland, Polen und Litauen – daran interessiert, die Lage der unterentwickelten Exklave zu verbessern, Konfliktpotenzial, auch im Hinblick auf die EU, abzumildern und dadurch die Stabilität in der ganzen Region zu sichern.

Die Grundlagen für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit wurden auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene kooperativ geregelt, und heute gibt es zahlreiche Kooperationsprojekte zwischen Städten, Kreisen und Gemeinden sowie zwischen Universitäten, wissenschaftlichen Einrichtungen und NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen).

Durch diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit sind zahlreiche und vielfältige Verflechtungen entstanden, die die Tendenz aufzeigten, die Grenzen immer weiter zu öffnen.

Die dargestellte Analyse von Marina Nazarova zeigt auf, daß „das Kaliningrader Gebiet sowohl über das Konfliktpotenzial als auch die Chancen einer Exklave verfügt“ und als „Vorzeigeregion“ für die Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Kooperation dienen kann. Die zahlreichen Partnerschaften und der bisherige Umgang miteinander sprechen für den Weg der Annäherung zweier politischer Systeme – Rußland und EU –, und die Bürger der Exklave Kaliningrad sind davon sehr abhängig.

Aktuelle Situation des Länderdreiecks

Um die brisante Frage „Was wird aus dem Kaliningrader Gebiet?“ beantworten zu können, hat Marina Nazarova zahlreiche Internet- und Nachrichten-Portale durchforstet. Auf führenden russischen und deutschen Nachrichten-Portalen und Internet-Zeitungen ist dieses Thema seit 2004 und insbesondere im Jahr 2014 kaum bis gar nicht präsent, und die Suche nach Prognosen war, bis auf eine Ausnahme, ergebnislos. Die föderale Zeitung „Novye Izvestija“ berichtete über ein Treffen von Vertretern Rußlands, Polens und Litauens im polnischen Bartoszyce zum Thema „Kooperation in den Grenzregionen und deren Perspektiven für 2016–2020“.

Auf führenden Nachrichtenportalen sind, wenn überhaupt, nur kurze Artikel über Mangelwaren in Kaliningrad infolge des russischen Import-Verbots aus EU-Ländern sowie der EU-Sanktionen (und Exportbeschränkungen) zu finden.

Informationen und Überlegungen zur weiteren Entwicklung der Exklave und ihrer Nachbarländer sind zurzeit nur in regionalen russischen, polnischen und litauischen Medien zu finden. Dabei geht es um rund eine Million Menschen einer Region, deren Wirtschaft und Zusammenleben sehr sensibel auf die Beziehungen zwischen Rußland und der EU reagieren und von ihnen abhängig sind.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Gebiet in dieser Krisenzeit zu einer vergessenen Region auf politischer Ebene geworden ist, obwohl die aktuellen Ereignisse dort „so spürbar sind, wie nie zuvor“ (Marina Nazarova).

Die mangelnde und schlechte Medienberichterstattung beeinflußt die Stimmung im ganzen „Dreiländereck“. Anhand der Auswertung der gesammelten Informationen kann behauptet werden, daß schon die Art der Berichterstattung von einer Konfrontation in der Region zeugt.

Folgende Themen sind gehäuft zu finden:

  • Blockade/Isolation
  • das Militärzonen-Thema
  • die Situationen an den Grenzen und
  • das Visaverfahren

In den litauischen Medien ist das Thema „Transit-Blockade“ omnipräsent (über Litauen werden unter anderem Lebensmittel aus Rußland nach Kaliningrad transportiert). „Blockiert“ wurde von litauischen Diplomaten auch der Empfang zum „Tag der russischen Diplomatie“. Diese Position Litauens ist in besonderem Maße bedauerlich, da die bisherige Zusammenarbeit als äußerst wichtig und interessant bezeichnet wurde. So äußerte sich der frühere Vizeminister für Außenbeziehungen, Vygaudas Usackas, im Jahr 1998 mit folgenden Worten: „Unser Partner Nr. 1 in Rußland ist der Kaliningrader Bezirk. Die Kontakte mit der Oblast sind eine Frage der Stabilität“.

In dem ukrainischen Wochenjournal „Zerkalo Nedeli“ wurde die Europäische Union dazu aufgerufen, eine Wirtschafts- und Visa-Blockade gegen die westlichste Region Rußlands zu verhängen und diese als geeignetes Mittel zum Druck auf Rußland und Putin bezeichnet.

Immer mehr Nachrichten sind der möglichen Verstärkung des Militärs in Polen und Litauen gewidmet. Das Thema „Militär“ ist in den lokalen Medien mit Überschriften wie „Die Grenze mit Kaliningrad wird von Drohnen überwacht“ (Polen verstärke seine Grenzen mit neuen Wachtürmen und Drohnen), „Rußland schickt strategische Bomber in die Enklave von Kaliningrad“, „Die Russen können den Kampf für die Erweiterung des Kaliningrader Gebiets anfangen“. Litauische und polnische Medien spekulieren mit der Angst vor dem Überfall Rußlands oder einem „Hybrid-Krieg“ auf baltischem Boden.

Nachrichten solch militärischer Szenarien häufen sich leider zunehmend.

Hierbei sei erwähnt, daß das Kaliningrader Gebiet eine Fläche von 15.125 qkm hat; zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern ca. 23.200 qkm, Baden-Württemberg ca. 35.700 qkm und Bayern 70.500 qkm. Eine solche Berichterstattung drückt folglich sehr empfindlich auf die Stimmung im Kaliningrader Gebiet, in dem momentan alles genau beobachtet wird.

Wachsam verfolgen deshalb die Bewohner der Exklave auch die Nachrichten zu Visa-Bestimmungen sowie von den Grenzübergängen und versuchen, aus den dort herrschenden Zuständen weitere Entwicklungen abzuleiten. Hinweise auf Verzögerungen bei der Grenzabfertigung weisen darauf hin, daß Grenzen als die „Außenhaut von Staaten“ dort eher wieder zu „Reibeflächen“ als zu „Kontaktflächen“ werden.

Schon im März 2014 wurden die Verhandlungen mit Rußland über Visa-Erleichterungen eingestellt. Einige Monate später erfolgte die Mitteilung über die Abschaffung von kurzfristigen (72-Stunden-)Visa für Besucher des Kaliningrader Gebiets. Hierbei wurde als Begründung die geringe Nachfrage nach solchen Visa genannt. (Im Januar 2015 wurde entschieden, das erleichterte Visaverfahren doch um ein Jahr zu verlängern.)

Auch wenn die grenzübergreifenden Projekte im Dreiländereck trotz der Abkühlung in den politischen Beziehungen weiterlaufen, zeigte die Recherche, daß über diese Zusammenarbeit der Länder durch NGOs nicht berichtet wird. Dies macht einmal mehr deutlich, daß der politischen Elite (auf beiden Seiten) die Menschen in und um Kaliningrad und deren Zusammenleben, egal in welcher Region, völlig egal sind. Auf offizielle Erklärungen und Vorstellungen der Regierungsebene warten die Bewohner des Dreiländerecks vergeblich; sie sind damit zur vernachlässigten Peripherie und zu Opfern der „großen“ Politik geworden.

Wie Bewohner, Medien, lokale und regionale Politiker sowie Diplomanten des Kaliningrader Gebiets, Litauens und Polens mit der Situation in nächster Zeit umgehen werden, bestimmt nicht nur das weitere Leben in der russischen Exklave, sondern auch das Zusammenleben im ganzen Dreiländereck – positiv wie negativ.

Chancen für das Kaliningrader Gebiet und dessen Nachbarländer

Der russische Forscher und Autor Sergej Medvedev hat im Jahr 2004 folgende Aussage zum Kaliningrader Gebiet getroffen:

Statt eine Geisel in den russisch-europäischen Beziehungen mit deren Höhen und Tiefen zu sein, kann Kaliningrad zu einem bestimmenden Faktor dieser Beziehungen und Helfer beim Lösen ihrer schwierigsten ‚Knoten‘ werden.“

Er sah Kaliningrad als eine Pilotregion an, die durch die gemachten Erfahrungen und Erfolge mit grenzüberschreitenden Kontakten und Kooperationen wegweisend für russisch-europäische Beziehungen sein kann.

Hierfür wäre jedoch wichtig, daß eine einheitliche Definition des Begriffes „Pilotregion“ gefunden wird, denn obwohl der Begriff in Bezug auf das Kaliningrader Gebiet seit 1999 verwendet wird, wurde weder von der Regierung der Russischen Föderation, die ihn aufgebracht hat, noch von russischen und europäischen Experten, die für dieses Entwicklungsszenario plädier(t)en, eine konkrete Definition erarbeitet, geschweige denn Programme und Maßnahmen dazu vorgeschlagen.

Marina Nazarova schlägt in ihrer Arbeit vor, daß die regionalen Akteure, die bereits Erfahrungen mit einer fruchtbaren Zusammenarbeit und freundschaftlichen Nachbarschaften gesammelt haben, mit der Erarbeitung einer gemeinsamen regionalen Entwicklungsstrategie beginnen und damit auch beauftragt werden sollten. Diese Ausarbeitungen könnten die Grundlage für eine gemeinsame Strategie aller Akteure auf regionaler, nationaler und internationaler sowie auf staatlicher und nicht-staatlicher Ebene sein. Dabei sollte es nicht nur um die Weiterentwicklung der Kaliningrader Exklave gehen, sondern um die ganze „Dreiländereck-Region“, denn die jetzige Situation zeigt, daß auch die benachbarten EU-Regionen von dieser Entwicklung abhängig sind und von einer positiven Entwicklung der Exklave nur profitieren können.

Eine wesentliche Rolle spielen in diesem Prozeß (wie immer) die Medien, denen ihre Verantwortung für die wesentliche Stimmungs- und Meinungsbildung der ganzen Region offensichtlich gar nicht klar ist. Wladimir Putin rief auf der jährlichen Presse-Konferenz am 18. Dezember 2014 dazu auf, „die Phobien wegzulassen und die Zusammenarbeit zu fördern und weiterzuentwickeln“. Dabei sollte auf die Vernunft der Bürger beider Seiten gesetzt werden, die seit vielen Jahren fruchtbare und nachbarschaftliche Beziehungen kennen und pflegen; sie sollten sich nicht suggerieren lassen, das dies ab jetzt nicht mehr gilt.

Eine „Kultur der Grenzüberwindung“ ist von den Menschen der Region bereits entwickelt worden und stellt kein großes Hindernis für die weitere Zusammenarbeit dar. Unter diesen Voraussetzungen hat das Kaliningrader Gebiet gute Chancen, wirklich zum „Labor von Integrationsprozessen zwischen Rußland und der EU“ zu werden, und dies nicht nur auf regionaler Ebene.

Fazit von Marina Nazarova: „Die Erarbeitung einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie auf regionaler Ebene, die auf schon jahrelang existierenden Erfahrungen gründet, kann helfen, die Aufmerksamkeit nationaler Zentren zu gewinnen sowie Vertrauen und Annäherung auf internationaler Ebene zu fördern.“

Nicola Trautner

(München, 16.03.2015)

„Das Gegenteil vom Eisernen Vorhang ist nicht die Grenzenlosigkeit, sondern der kleine Grenzverkehr.“

Prof. Karl Schlögel (2006)

Gewalt

Gewalt

Gewalt

Einigen wir uns am besten vorab darauf, Gewalt als „übermäßigen, gezielten Einsatz von Mitteln zur Erreichung eines Zieles“ zu definieren, wobei dieses „Ziel“ auch durchaus darin bestehen kann, etwas zu verhindern, was ohne den Einsatz von Gewalt vermutetermaßen geschähe.

Einigt man sich auf diese Definition, dann wird sehr schnell klar, daß Gewalt beileibe nicht nur in körperlicher Form auftritt. Unterscheiden wir also demnach unterschiedliche Arten von Gewalt:
a) Physische Gewalt: Hierbei geht es um den Einsatz von Körperkräften, mit Hilfe derer ein schwächerer zu etwas gezwungen werden soll. Reichen hierzu die eigenen Körperkräfte nicht aus, so bedient man sich gewisser „Verstärkungskräfte“. Diese können Stich-, Hieb-, Stoß-, Schlag- oder Schußwaffen sein. Aber auch lautes Gebrüll, martialische Kleidung, ein andersartiges, furchterregendes Äußeres (Masken, „Kriegsbemalung“, ein entsprechender Haarschnitt oder Tätowierungen) sind geneigt, Menschen einzuschüchtern und Gewalt zu implizieren.

b) Seelische Gewalt: Die Bedrohung mit Liebesentzug, Nichtbeachtung und schon das Andeuten, einen Menschen verlassen, ihn also alleine zu lassen, wirken erheblich – mitunter sogar stärker als körperliche Gewaltanwendung – und sind geeignet, Menschen gefügig zu machen, ihnen also gewaltsam den eigenen Willen aufzuzwingen

c) Geistige Machtmittel: Den Anderen als unfähig, dumm oder weniger/nicht kompetent hinzustellen, ihn mit Karriereeinbußen, vielleicht dem Verlust des Arbeitsplatzes oder mit anderen wirtschaftlichen Nachteilen zu bedrohen, sind derartige Formen von Gewaltanwendungen. Zu diesen Mitteln gehört jedoch auch das Androhen von Bestrafung (selbst wenn diese nur imaginär im Raum stehen bleibt). Die Gefahr des „Sitzenbleibens“ stellt für Kinder zumeist eine reale Gefahr dar. Gleiches gilt für „Prüfungsängste“ – auch Erwachsenen ja nur zu gut bekannt.

Gewalt entsteht also immer aus eigenen Frustrationen und Ängsten, weil man sich in seinen Zielen blockiert sieht, und dient dazu, sich eigener Ängste dadurch zu entledigen, daß man diese auf seine Umwelt transportiert.

Sieht sich ein Angst-beladener Mensch nun nicht in der Lage, mit dieser Angst – so fiktiv sie auch sein mag – fertigzuwerden und erkennt er außerdem keine Chance, sich gegen ihn bedrohende Menschen oder den Umstand, der ihm Angst einflößt, zu wehren, so wird sich seine Frustration völlig natürlicherweise dort entladen, wo er mit weniger Gegenwehr rechnen kann und er sein Ziel – sich selbst von der Angst zu befreien – leichter erreicht.

Die Bildung von Gruppen Gleichgesinnter – harmlose Form: Clubs und Vereine, gefährliche Form: Banden und kriminelle Vereinigungen – entspricht einerseits dem Wunsch, bestehende Verhältnisse zu ändern, andererseits jedoch der (meist unterschwelligen) Vermutung oder Gewißheit, es „alleine“ nicht schaffen zu können. Dazu kommt der ganz natürliche Drang nach Anerkennung von dritter Seite und das Bedürfnis nach Gemeinschaftlichkeit.

Unterscheiden wir K- (= körperliche), G- (= geistige) und S- (= seelische) Kräfte/Fähigkeiten, so gilt:

Einen Mangel an K versuchen wir (als höchst anpassungsfähige Lebewesen) durch den Einsatz von G- und S-Kräften zu kompensieren, einen Mangel an G durch S- und K-Fähigkeiten, usw. Dies gilt auch für den Fall, daß der Mangel nur vermeintlich ist, also real gar nicht existiert.

Dazu einige Beispiele:

      1. Im Haushalt einer Familie leben ein Junge und ein Mädchen. Der ältere Bub nimmt vielleicht – den großen Vater vor Augen – eher den geistig-dominierenden Platz (G) in der Familienhierarchie ein, während das hübsche Mädchen sich mehr auf die Rolle der Prinzessin (K) kapriziert. Nicht verwunderlich, wenn es sich dann auch später als geistig geringwertiger empfindet, mehr mit Sanftheit und körperlichen Vorzügen seine Ziele zu erreichen versucht und unter seinem vermeintlichen G-Mangel leidet, darüber aber lieber nicht spricht.
      1. Der von seinem Vater geohrfeigte Sohn sieht keine Chance, sich gegen seinen Vater zur Wehr zu setzen. Seine Angst, seine Frustration und sein Haß werden sich mithin gegen Schwächere richten – jüngere Geschwister, Nachbarskinder oder Haustiere. Stehen derartige „Rache-Ersätze“ nicht zur Verfügung, wird sich seine negative Gefühlsladung auf andere Objekte richten. Für viele stellt dann der Sport ein „entladendes“ Element dar. Fehlen hierzu die Möglichkeiten – zum Beispiel ein Mangel an Sportstätten –, zerstört dieser Junge etwa die Spiegel an parkenden Autos oder er zündelt. Vielleicht besprüht er auch Wände oder er stellt irgendetwas an, was „verboten“ ist. Er bestraft damit also den – nicht anwesenden – Vater, weil er gegen ihn – so er anwesend wäre – nicht ankäme.

Dieser „aggressiven“ (lat. aggredi = auf etwas zugehen, angreifen) steht die „ingressive“ Form der Bewältigung eines derartigen Konfliktes gegenüber. Das ingressiv agierende Opfer (z.B. einer Anwendung von Gewalt) verkriecht sich quasi in sich selbst. Es traut sich nicht, nach außen zu gehen, aggressiv zu handeln. Es vergräbt sich in seinen Schmerz und seine Trauer. Dies wirkt sich dann entweder körperlich aus – Schlafstörungen, Bettnässen, Sprach- und Verdauungsstörungen, Magengeschwüre oder andere Symptome – oder seelisch – in den verschiedenen Formen von Verhaltensstörungen, Neurosen und Psychosen, Manien oder Phobien bis hin zu autistischen Mustern oder letztlich in Selbstmord. Konzentrationsschwächen und schlechte Leistungen – in der Schule oder am Arbeitsplatz – sind noch relativ harmlose Erscheinungsformen. Die Flucht in Ersatzhandlungen – Alkohol-, Drogen- und Medikamentensucht – sind Phänomene, die wir statistisch erfassen und als „Krankheiten“ behandeln. Aber auch Kaufsucht, oftmals völlige Überschuldung, Promiskuität und Extrem-Sex, ein übertriebenes Sicherheitsbedürfnis, Entscheidungsängste und Geiz, Verfolgungsängste, Anorexie, Hypochondrie u.v.m. sind ingressive und aggressive Fluchtverhalten als Ausdruck mangelnden Selbstwertgefühls. Unsinnigerweise beschäftigen wir uns x-mal mehr damit, Symptome zu kurieren, statt den tatsächlichen Ursachen auf den Grund zu gehen.

Man kann es getrost als Akt eines „kollektiven Schuldbewußtseins der Gesellschaft“ bezeichnen, wenn wir die von derartigen Süchten betroffenen Menschen unseres „Mitgefühls“ versichern, ihnen „Verständnis“ entgegenbringen und bei Unfällen wie Straftaten „mildernde Umstände“ einräumen

Viele großartige Forscher und Erfinder waren körperlich behindert. Oft zeichnen sich körperlich oder geistig behinderte Menschen durch besondere musische Leistungen aus oder ragen durch ihr soziales Engagement aus der Masse heraus. In Einzelfällen kompensieren Menschen körperliche Defekte durch strategische Größe (Napoleon I, Prinz Eugen), bisweilen auch beispiellose Brutalität.

Und noch ein Phänomen sollte uns zu denken geben: Selbst brutalste Anwendung von Gewalt wird von der Masse geduldet, ja sogar gefeiert („Heldenmythos“), wenn es der Masse hilft, also in den Zeitgeist paßt.

Viele feierten die Kriminellen von Hoyerswerda, klatschten und sahen tatenlos zu. Mohammed ließ – unter dem Jubel von 30.000 – über 660 Christen in Medina öffentlich hinrichten, weil sie sich weigerten, zum Islam überzutreten. Denken Sie auch an öffentliche Auspeitschungen und Hinrichtungen.

Denken Sie an die Sympathie gewisser Massen – bisweilen sogar sog. Intellektueller (z.B. Sartre) – für die brutalen Gewaltakte der IRA und RAF, aber auch den Jubel der Massen im römischen Kolosseum (Christenverfolgung), die Euphorie, mit der Kreuzzüge begleitet wurden und die schaurige Antwort auf die Frage: „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ Nicht viel anders sind auch Stier-, Hahnen-, Bären- und Hundekämpfe zu bewerten.

Wenn die Anwendung von Gewalt den Konsens der Masse trifft, mutiert sie zu Heldentum, wird glorifiziert und gefeiert.
Vorsicht: Innerhalb ihrer (kleinen) Masse gelten auch die Attentäter von Hoyerswerda, Mölln und Solingen als Helden!

Jedes Ereignis – nennen wir es „break“ (abrupter „Bruch“) – wirkt auf unsere Psyche. Sind derartige „breaks“ einschneidender negativer Natur und können sie nicht unmittelbar abgefedert werden – z.B. weil sie besonders schmerzhaft sind oder geistig nicht verstanden oder seelisch nicht ausgelebt werden können –, hinterlassen sie mehr oder weniger starke Narben. Anhaltende, also dauerhafte „breaks“ werden zu „Animationen“ und nisten sich als nicht-kompensable Erlebnisse in unserem Seelenleben ein. Positive breaks und Animationen stärken unser Selbstwertgefühl, bilden also quasi eine „Armierung unseres Seelengerüstes“, während negative breaks und Animationen zwar nach und nach ins Unterbewußtsein abgeschoben, also verdrängt werden, niemals jedoch aus unserem „Lebensinhalt“ verschwinden. Mit derartigen „Engrammen“ (= „Einkerbungen“) befassen wir uns – sofern sie negativ sind – höchst ungern, da die Erinnerung immer wieder schmerzt. Sie belasten aber sowohl unsere eigene Psyche, als auch das Verhältnis zu unserer Umwelt.

Erfährt nun ein junger Mensch, vielleicht sogar ein Kind oder gar ein Baby derartige „Einkerbungen“, so erwachsen daraus Störungen unterschiedlichster Art, die sich entweder „nach innen“, also auf den Menschen selbst richten oder zu einem Mangel an Vertrauensfähigkeit seiner Umwelt gegenüber führen. Derartige breaks/Animationen („b/a“) sind dann im weiteren Leben die Auslöser für ein kraftvolles, positives und freudvolles Lebensgefühl, sofern die dahinterstehenden „Einkerbungen“ und „Beseelungen“ eben positiver, bestärkender Natur sind. Sie führen zu einer grundsätzlich lebensbejahenden Einstellung.

Mit den negativen breaks/Animationen („b/a“) befassen wir uns leider zumeist erst, wenn massive Störungen in unserer Beziehung zu uns selbst oder im Umgang mit unserer beruflichen oder privaten Umwelt auftreten. Da viele dieser „b/a“ mitunter Jahre und Jahrzehnte „verschüttet“ in uns schlummern, besteht die mühevolle Arbeit von Psychologen und Psychotherapeuten darin, diese „b/a“ wieder zu „entdecken“, also offenzulegen. Da wir/die Gesellschaft derartiger Störungen bei unseren Mitmenschen zumeist erst beim Auftreten massiver Verhaltensmuster gewahr werden, stehen wir menschlichen Tragödien und „Übersprungreaktionen“ oftmals völlig verständnis- und hilflos gegenüber

So sind sich psychologisch geschulte Ärzte (und Polizisten) darüber klar, daß der weit überwiegende Anteil von Erkrankungen und (Verkehrs-)Unfällen Arten einer „Gewaltanwendung nach innen“ sind. Anders ausgedrückt: Alte Narben und seelische Wunden sind – natürlich zur Unzeit – plötzlich aufgebrochen und der davon betroffene Mensch begeht Fehlhandlungen, derer er sich selbst zumeist gar nicht klar ist.

Dieser Gewalt nach innen steht die „aggressive“ (= nach außen gerichtete) Gewalt gegenüber. Hier richtet sich das destruktive Moment nicht gegen den eigenen Körper, den eigenen Geist und die eigene Seele, vielmehr begeht der Mensch plötzlich Straftaten und zeigt Verhaltensmuster, die dem Bild, was seine Umwelt bislang von ihm hatte, völlig zu widersprechen scheint.

Gewalt ist der aggressive, Flucht der ingressive Versuch, Lösungen für Probleme zu finden. Je größer das Problem, je schwerwiegender also die Belastung für die Seele ist, desto „bereitwilliger“ werden wir in der Wahl unserer Mittel, und umso zerstörerischer handeln wir gegenüber anderen (= aggressiv) oder gegenüber uns selbst (= ingressiv).

Wir sehen also, daß Gewalt und deren Äußerungsformen zumeist ein äußerst kompliziertes Geflecht von dahinterstehenden Motiven darstellt.

Schon aus diesem Grunde ist die singuläre Auseinandersetzung mit den Symptomen von Gewalt (Kriminalität, Ausländerhaß, etc.) und Publicity-süchtige „Talk-Shows“ im Fernsehen ausgesprochen dümmlich und höchst kontraproduktiv.

Es gibt nämlich kaum ein Argument, dem nicht ein mindestens ebenso schwerwiegendes Argument entgegengesetzt werden könnte.

Es nützt auch nichts, wenn wir unter einem hohen Anspruch an „soziale Gerechtigkeit“ vor Gerichten und im Namen der Rechtspflege mit Hilfe ellenlanger Gutachten (und Gegen-Gutachten) mühsam die Hintergründe der Taten von Hoyerswerda bis Solingen aufzurollen versuchen, wir jedoch an den dahinterstehenden und tatsächlich ausschlaggebenden Ursachen nichts ändern.

Gewalt ist immer von mehr oder weniger großen (seelischen) Verlust-, (körperlichen) Schmerz- oder (geistigen) Versagensängsten bestimmt – mitunter auch aus einer komplexen Vermengung vieler derartiger Ängste. Diese „bursts“ (Ausbrüche) ernsthaft verhindern zu wollen, bedeutet, für die Zukunft andersartige Ursachen zu legen, die Qualität der Erziehung und – gerade in Deutschland – unsere Einstellung zum „Phänomen Kind“ endlich ernsthaft zu hinterfragen. Nachgerade ist die Anwendung von oder eben der Verzicht auf Gewalt eine Frage der (geistigen) Bildung, des eigenen Horizontes und der emotionalen sowie der sozialen Kompetenz.

Wenn Kinderbanden in Brasilien oder Jugendbanden in Kenia Ausländer überfallen und ausrauben, steht dahinter oftmals der tatsächliche Kampf ums Überleben. Wenn westdeutsche Jugendliche den Abbau von Sozialgesetzen, dessen Notwendigkeit den politisch Verantwortlichen längst klar war – den sie jedoch aus populistischen Gründen nur feige verdrängten –, nunmehr den Asylanten und (ganz bestimmten) Ausländern in die Schuhe schieben zu müssen glauben, liegen einem scheinbaren Phänomen (der Vernichtung eines Menschen) in Wahrheit völlig andere Beweggründe und Ursachen zugrunde.

In Wirklichkeit resultieren derart erschreckende Momente der Gewaltanwendung aus einem fürchterlichen Desinteresse einer übersättigten Gesellschaft, einer erschreckend kinderfeindlichen Umwelt in Deutschland, dem unheilvollen Blendwerk unserer Kirchen, dem Prestige-geilen Egoismus breiter Bevölkerungsschichten, der politischen Dumpfheit und Trägheit der Bevölkerung und dem zunehmenden Fehlen echter Vorbilder, an denen sich Kinder und Jugendliche orientieren, mit deren Hilfe sie sich Ziele setzen könnten.

Lassen Sie mich diese zugegebenermaßen etwas pauschal klingende Schelte erläutern: Der völlig über-zogene „Gleichberechtigungswahn“, die hauptsächlich ökonomisch orientierte Bereicherungsmentalität und die mit einem zunehmenden Desinteresse an ihrer Umwelt einhergehende Vereinsamung der Menschen (gerade in hochindustrialisierten Ländern) unterbindet immer mehr die notwendige Kommunikation zwischen Eltern und Kindern. Solange die Noten stimmen, kann die „Erziehung“ nicht so falsch sein – meinen die selbstzufriedenen Eltern. Die regelmäßige Anwesenheit der Eltern ist, wenn sie sich in gemeinsamem Fernsehen erschöpft, ebenso unsinnig, wie die hilflosen Versuche des ständig absenten Vaters, der seinen Kindern zu erklären versucht, daß er doch alles „nur für die Familie“ tue.

Welche Eltern fragen denn schon ihre Kinder, wann (und ob) es diesen Spaß mache, daß man gemeinsam etwas unternimmt? Und weiters: was ihre Vorschläge seien?
In welcher Familie haben denn schon die Kinder gleiches Mitbestimmungsrecht wie die Erwachsenen?
Welche Eltern anerkennen denn die Schulleistungen ihrer Kinder als dem Beruf der Eltern gleichwertig entsprechend?

Stattdessen müssen Kinder sehr rasch erkennen, daß die physisch Stärkeren in der Familie auch das Sagen haben und die Gestaltung des Familienlebens von den Erwachsenen (zumeist den Vätern – sofern vorhanden) dominiert wird. Familienidylle besteht zumeist darin, daß die Kinder lernen, sich dem Diktat der Eltern unterzuordnen.

Wer dies nicht wahrhaben will, der möge sich eindeutige Untersuchungen zu diesem Thema einmal vornehmen: Von 15.000 befragten Kindern zwischen 5 und 14 Jahren äußerten sich gerade 4% aller Kinder „rundum zufrieden“ mit ihren Eltern.

Die den Kindern – nachgerade den eigenen – verabreichten negativen „b/a“ werden auch von den Eltern tunlichst verdrängt – in der Hoffnung, daß „es schon nicht so schlimm“ sei.

Noch immer schwören viele Eltern darauf, daß „eine Ohrfeige oder ein kleiner Klaps auf den Hintern schon nicht schaden“ könne.

Von den übrigen Formen der Gewaltanwendung – Drohungen, Liebes- und Essensentzug, Miß- und Nichtbeachtung, Befehlen (ohne Erklärungen) u.v.m. – wird erst gar nicht gesprochen. Wie viele Eltern haben es selten oder sogar niemals für nötig befunden, sich für falsche Reaktionen bei ihren Kindern zu entschuldigen?!

Kinder werden mit einer schnell wachsenden Befähigung geboren, Verstand und Gefühl („Kopf“ und „Bauch“) miteinander Zwiesprache halten zu lassen. Dieser „innere Monolog“, mit Hilfe dessen das Kind frei und unglaublich schnell zu lernen vermag, aber auch ganz genau realisiert, was falsch und richtig ist, wird im Rahmen der „Erziehung“ immer mehr unterbunden. Es ist, als ob man „Filter“ zwischen „Kopf“ und „Bauch“ schiebt. Derartige Filter – wir nennen sie „Bannbotschaften“ – sind zum Beispiel:

  • Das tut man nicht (vor allem als Mädchen/Frau)
  • Das schaffst Du nicht!
  • Das geht nicht!
  • Jungen weinen nicht!
  • Warte nur, was passiert, wenn Papi nach Hause kommt!
  • Dazu bist Du noch zu klein!
  • Du Versager!

Jede dieser „Bannbotschaften“ manifestiert in dem kleinen Menschlein die Gewißheit, daß es unfähig, wertlos und dumm ist – immerhin sind es ja die Ur-Vorbilder (Eltern), deren Aussagen kleine Kinder weder in der Lage noch überhaupt willens sind, kritisch zu hinterfragen bzw. sogar anzuzweifeln. Das kleine Kind wehrt sich – trotz des Schmerzes – geradezu dagegen, bei den Eltern etwas Schlechtes sehen zu wollen, womit es ja seine Ur-Vorbilder (teilweise) zerstören würde. Dieser Verdrängungsmechanismus hält mitunter sogar bis ins hohe Erwachsenenalter an und „übersteht“ sogar kriminelle Verfehlungen der Eltern, z.B. Vergewaltigungen von Töchtern durch Väter!

„Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Dieser Spruch – Gebote in Bibel, Koran und Talmud – wird damit zum absoluten Freifahrtschein für jedwedes Handeln der Eltern.

Selbst wenn im Laufe der Zeit das (geistige) Bewußtsein reift, daß auch die Eltern nicht alles fehlerlos und richtig machen, ist die unheilvolle „Saat“ dieser Bannbotschaften längst aufgegangen.

Und noch ein weiterer Aspekt: Der gerade in einer hochzivilisierten und übertechnisierten Umwelt immer mehr zunehmende Konkurrenzdruck und die Konzentration auf geistige und wirtschaftliche Parameter – zu Lasten der Gefühlswelt, des Seelenlebens und der zwischenmenschlichen Kommunikation – läßt dem Einzelnen immer weniger Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen. So beschäftigt wir mit der Hege und Pflege unseres Körpers sind (s.h. Bodybuilding, Fitneß und Mode) und so ängstlich wir körperlichen Unzulänglichkeiten gegenüberstehen, so gnadenlos vernachlässigen wir unsere Seelen.

Dazu kommt eine sich geradezu überschlagende Flut von Informationen, die – oftmals gezielt manipulierend – nur fragmentarisch aufgenommen wird, ohne daß diese „Sternschnuppen“ komplexer Sachverhalte überhaupt hinterfragt werden. Information wird mit Wissen verwechselt!

Immer noch völlig unterschätzt wird, das fatale Wirken von „Versagensängsten“, die in Minderwertigkeitsgefühlen und á la loungue -komplexen münden. Diesen „Mikos“ versucht der Mensch buchstäblich instinktiv entgegenzuwirken. Fehlt ihm dazu das Wissen oder (scheinbar) die Gelegenheit – wohinter sehr oft „Verbote“ aus Kindheit und Elternhaus stehen (z.B. „Schuster, bleib‘ bei deinem Leisten“) – bricht sich dieser Minderwertigkeitskomplex anderweitig Bahn, mitunter eben in Form von Gewalt. Wer sich dann alleine zu schwach oder unsicher fühlt, sucht nach dem Kollektiv. Der „Chorgeist“ einer Bande, kriminellen Vereinigung, Sekte o.ä. stärkt auch Feiglinge, schafft (fehlende eigene) Überzeugungen und übertönt ethische Bedenken, die man als Einzelner noch hat. Dieses Phänomen macht dann aus Versagern und profillosen Mitläufern plötzlich „Helden“ und „wichtige“ Figuren – denken Sie z.B. an Hooligans und Rocker, aber auch Salafisten, Selbstmordattentäter, IS- oder Boko Haram-Anhänger u.v.m. Aber auch Partei- und Politikerkarrieren bieten hierfür Chancen.

Dabei werden dann Barrieren durchbrochen, die ansonsten völlig tabu sind. Der gequälten Seele gereicht ein Dammbruch zur Befreiung – leider oftmals mit der Folge einer neuen Verletzung, die dann (z.B. ein Tötungsdelikt) als lebenslange Schuld mitgeschleppt wird.

Die eingangs gefundene Definition muß also noch ergänzt werden:
Gewalt resultiert in letzter Konsequenz aus einer seelischen Hilflosigkeit, dem Schrei nach Anerkennung und dem Fehlen von Wissen. Umgekehrt: Je höher der Stand (verarbeiteten) Wissens ist und je gesünder die dazugehörige Seele ist, desto weniger entsteht Gewalt.

Wenn dieser Artikel Sie nun etwas ratlos herumstehen läßt, so schadet dies gar nichts.

Ich wollte mir keinesfalls anmaßen, dem immer schneller wachsenden Maß an Gewalt ein „Zaubermittel“ entgegenhalten zu können. Es ging mir einzig und allein darum, daß Phänomen Gewalt als das zu entlarven, was es ursächlich ist: Die Unfähigkeit der Gesellschaft, ihre eigene Schuld an den Ursachen der uns umgebenden Gewalt einmal ehrlich zu hinterfragen und anzusehen.

Erst wenn wir unser gesamtes Tun und Handeln, unser Denken und Fühlen als zueinander gehörig betrachten, empfinden und zulassen – ohne dies gleich immer zu bewerten – gelangen wir bei/in uns selbst zu einem „Gleichklang von Körper, Geist und Seele“. Erst dann stimmt der „innere Monolog“, der uns ganz genau – fernab jeder Bannbotschaft (!) – sagt, was richtig, sauber und gut ist. Erst aus diesem geklärten Ich-Bewußtsein („Selbstverständnis“) kann ein „Du-Bewußtsein“ und eine „Du-Verantwortung“* erwachsen, ein Verständnis für die Umwelt und unsere Mitmenschen resultieren und – besonders wichtig für Eltern und Lehrer – ein Erziehungsauftrag tatsächlich erfüllt werden.

Wer wirkliche Macht – im Sinne überzeugender echter Autorität – hat, der muß keine Gewalt anwenden.

 

Hans-Wolff Graf (1993/2014)

* Die „Verantwortungspyramide“ und die „Bewußtseinspyramide“, jeweils Anthropos e.V. – Für die Kinder dieser Welt, München

Zum Thema Gewalt auch dieser Artikel: „Gewalt-Krieg-Völkermord“