Syrien und Naher Osten1

27. Internationale Gesprächsrunde

Einladung an alle interessierten Mitmenschen


Ausführliche Einladung im Anhang

27. Internationale Gesprächsrunde

Liebe Mitglieder und Freunde,

herzlich laden wir zu unserer 27. Internationalen Gesprächsrunde am 20. und 21. Juli 2018 mit dem Thema Syrien und der Nahe Osten ein.

Mit Dr. Valid Mrad Agua haben wir das Glück, einen Experten zum Thema hören zu können. Anschließend steht er uns gern für alle Fragen zur Verfügung.

Für das äußerst spannende Thema interessieren sich sicher auch Nachbarn, Freunde und Bekannte – sprecht sie einfach an.

Wir freuen uns auf Euch!

Nicola Trautner und Hans-Wolff Graf

 

Downloads:
26. Internationale Gesprächsrunde – Einladung (PDF)

Interessante Links zur Vorbereitung:

Journalistin zerlegt in den UN in 2 Minuten die Glaubwürdigkeit der Mainstream-Presse zu Syrien

Syrischer UN-Botschafter nennt vor Sicherheitsrat Namen der NATO-Offiziere und Agenten in Ostaleppo

Syriens UN-Botschafter erzählt wichtiges was wir so noch nie gehört haben – Die Maske fällt

Dr. Michael Lüders: Die den Sturm ernten. Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte

 

Termin: 20. Juli 20 Uhr und 21. Juli 10 bis 18 Uhr

Ort: Feringastraße 12a, 85774 Unterföhring; in den Räumen der efv GmbH (4. Stock)

Anmeldung: telefonisch (089-416 007-26), per Fax (089-416 007-25)

per Mail: info@anthropos-ev.de oder info@d-perspektive.de

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26. Internationale Gesprächsrunde

Einladung an alle interessierten Mitmenschen


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Liebe Mitglieder und Freunde,

herzlich laden wir zu unserer nächsten Gesprächsrunde am 23. und 24. März zum Thema Medizin und Schmerz ein.

Der anhängende Artikel „Psychologie des Schmerzes“ von H.-W. Graf hat viele äußerst interessierte Reaktionen hervorgerufen, sodaß wir wieder lebhafte Gespräche haben werden.
Zudem werden wir eine Einführung in die „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM) und ihre Behandlungsmöglichkeiten von dem erfahrenen TCM-Praktiker Maximilian Beer bekommen.

Wir freuen uns auf Euch!

Nicola Trautner und Hans-Wolff Graf

 

Downloads:
26. Internationale Gesprächsrunde – Einladung (PDF)
Artikel H.-W. Graf – Psychologie des Schmerzes (PDF)

 

Termin: 23. März 20 Uhr und 24. März 10 bis 18 Uhr

Ort: Feringastraße 12a, 85774 Unterföhring; in den Räumen der efv AG (4. Stock)

Anmeldung: telefonisch (089-416 007-26 /-21 ), per Fax (089-416 007-25)

per Mail: info@anthropos-ev.de oder info@d-perspektive.de

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25. Internationale Gesprächsrunde

Einladung an alle interessierten Mitmenschen

GR Logo 25 Jahre Studie UNSERE WELT

Liebe Mitglieder und Freunde,

zum neuen Jahr wünschen wir Euch alles Liebe, viel Freude, Kraft, Erfolg und vor allem Gesundheit!

Am 26. und 27. Januar laden wir Euch herzlich zur 25. Internationalen Gesprächsrunde ein.

Unser Thema: 25 Jahre „Studie UNSERE WELT“ .

Diese Studie hat bereits 1992/1993 vieles vorhergesehen, was wir heute gewärtigen und zeigt Lösungswege auf, die zu einem friedlicheren Zusammenleben auf diesem Planeten führen.

Zur Vorbereitung und Einstimmung dienen die anhängende Einladung und grundlegenden Fragen zur Studie sowie die untenstehenden Links.

Wir freuen uns auf Euch und eine lebhafte Diskussionsrunde!

Nicola Trautner und Hans-Wolff Graf

 

Einladung und Artikel zum Download (pdf)
25. Internationale Gesprächsrunde – Einladung (PDF)
Grundlegende Fragen zur Studie UNSERE WELT 1992 (PDF)

Auszüge aus der „Studie UNSERE WELT“:
www.anthropos-ev.de/bibliothek/archiv/studie-unsere-welt-1992-und-1993/

Download (PDF, 27KB)

Human

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Termin: 26. Januar 20 Uhr und 27. Januar 10 bis 18 Uhr

Ort: Feringastraße 12a, 85774 Unterföhring; in den Räumen der efv AG (4. Stock)

Anmeldung: telefonisch (089-416 007-26 /-21 ), per Fax (089-416 007-25)

per Mail: info@anthropos-ev.de oder info@d-perspektive.de

Stier und Ziege_Bild zum Maerchen

„Stier und Ziege“ – Märchen von Dascha Galiewa, (10 J.), Kaliningrad

Es waren einmal ein Stier und eine Ziege. Sie wohnten sehr friedlich zusammen in einem Wald…

0 Einstiegsbutton

Aktivitäten und Seminare in Kaliningrad 2016/2017 – Fragen-Lernen-Weitergeben

„Sich selbst und Anderen Fragen stellen – Lernen – Weitergeben“

Einstiegsbutton Lwowskoje

Bericht aus Lwowskoje 2016/2017 – Lwowskoje grüßt Alle ganz herzlich

Seit September 2016 fanden verschiedene Veranstaltungen im Kulturhaus des Dorfes statt.

Bericht aus Krasnolessje 2016/2017 – Unsere gemeinsamen Taten

Unsere gemeinsamen Taten in Krasnolessje

Foto 0 - Einstiegsbutton - Ausflug nach Krasnolessje

Bericht aus Osjorsk 2016/2017 – Lächele und die Welt wird schöner

„Marathon der Freude 2016-2017“ – Aktivitäten für Kinder mit besonderen Bedürfnissen

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24. Internationale Gesprächsrunde

Einladung an alle interessierten Mitmenschen

Kultur und Zivilisation

Kultur und Zivilisation – zwei Begriffe, die inflationär und oftmals synonym genutzt werden und doch meist ohne feste Bestimmung bleiben. Sie werden in so unterschiedlichen Kontexten verwendet, daß von einer Bedeutungserweiterung und -verwässerung bis hin zu einer Sinnentleerung gesprochen werden kann. Da wird von Alltagskultur, Fankultur, Fußballkultur, Diskussionskultur, Eßkultur, Firmenkultur, Subund Hochkultur sowie von Kulturgut, Kulturlandschaft, Kulturtechniken und politischer Kultur gesprochen; Zivilisation wird als die „westliche Lebensweise und Entwicklung“ bezeichnet. Als unzivilisiert gilt, wer in sog. Entwicklungsländern lebt. Wir kennen die zivile Luftfahrt, zivile Bedingungen, das zivile Leben, Zivilisationskrankheiten, Zivilgesellschaft, Zivilbevölkerung oder Zivilcourage.

Doch was bedeuten die beiden Begriffe ‚Kultur‘ bzw. ‚Zivilisation‘ wirklich? Kann uns die UNESCO eine Antwort liefern? Als Internationale Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur gestaltet sie den Bildungskanon und die Geschichtsschreibung, fördert die gängigen Wissenschaften und Medien sowie den Dialog der Kulturen. Bekannt ist sie uns meist nur als Hüterin des „Weltkulturerbes“ (das über 800 Stätten umfaßt), nicht jedoch, inwieweit sie in die Kulturen und den Umgang mit ihnen eingreift.

In bewährter, zugewandter Gesprächskultur (die wir in den Medien zumeist vermissen) werden wir uns mit den Begriffen und unseren Fragen auseinandersetzen und den Versuch wagen, Definitionen für Kultur und Zivilisation zu finden, denn WIR wollen etwas bewegen.

Zur Einstimmung zu diesem breiten Thema findet Ihr interessante Denkanstöße im Anhang und in den beiden Dokumentationen:

Kampf der Kulturen – Eine Entwicklungsgeschichte der Zivilisationen

Untergegangene Kulturen – Die erste Zivilisation

Wir freuen uns auf Euch und eine lebhafte Auseinandersetzung!

Nicola Trautner und Hans-Wolff Graf

 

Einladung und Artikel zum Download (pdf)

24. Internationale Gesprächsrunde – Einladung (PDF)
Artikel zu Kultur von Rudolf Leiprecht (PDF)

 

Termin: 1. Dezember 20 Uhr und 2. Dezember 10 bis 18 Uhr

Ort: Feringastraße 12a, 85774 Unterföhring; in den Räumen der efv AG (4. Stock)

Anmeldung: telefonisch (089-416 007-26 /-21 ), per Fax (089-416 007-25)

per Mail: info@anthropos-ev.de oder info@d-perspektive.de

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„Lassen Sie Ihr Kind rechtzeitig los”

„Lassen Sie Ihr Kind rechtzeitig los, sonst kann es zu einem Desaster kommen!“

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Interview von Natalija Mostova (NM) (Magazin ‚MICTO №7‘, Ukraine, Mai 2017) mit Hans-Wolff Graf (HWG)

Erziehung ist keine Dressur: Eine überbordende ‚Liebe‘ der Eltern zu ihren Kindern kann beide Generationen verkrüppeln. Wo sollte man Grenzen setzen und wissen, wann man die eigenen Zöglinge loslassen sollte? Warum werden Kinder krank – sind das Folgen psychologischer Probleme im Umfeld von Vater und Mutter? Wie können Eltern als Partner kooperieren? Warum sind die ersten vier Jahre die prägendsten für das restliche Leben eines Menschen?

Über eine bewußte Elternschaft und „Rezepte“ zur Erziehung glücklicher Kinder erzählte der bekannte deutsche Psychologe, Pädagoge und Wirtschaftsberater Hans-Wolff Graf, der vor kurzem eine Reihe von Vorträgen und Trainings für Eltern, Lehrer, Erzieher und Jugendliche in Iwano-Frankiwsk und Werchowyna hielt [ein Vortrag/Workshop wurde sogar von Beamten gewünscht, Anm. d. Red.].

NM: Was sind die häufigsten Fehler von Eltern bei der Erziehung ihres Kindes?

HWG: In jedem von uns lebt ein kleines inneres Kind, das wir auch als Erwachsene unser ganzes Leben lang mit uns tragen. Leider inkarniert dieses Kind nicht nur positive Erinnerungen, sondern auch einen ganzen Blumenstrauß von unbewußten negativen Programmen, den sog. Bannbotschaften und den daraus resultierenden fiktiven Ängsten, die uns schon in der frühen Kindheit „geschenkt“ worden sind. 95% all unserer Ängste sind fiktiv, also nur in unserer Erwartung lebendig.

Diesen Angstmüll loszuwerden ist aus folgenden Gründen schwierig: Erstens saugten wir diese Überzeugungen und Weltanschauungen unbewußt auf, als wir noch Kleinkinder waren, unser kritisches Denken also noch gar nicht entwickelt war. Zweitens, fühlen wir uns schuldig, falls wir diese zerstörende Last versuchen loszuwerden, da das wie ein Verrat an den Eltern empfunden wird.

Somit kommt es dazu, daß wir alle unsere Bannbotschaften und Ängste unseren Kindern schon ab den ersten Tagen ihres Lebens anzuerziehen bzw. aufzudrängen versuchen. Dabei sind wir sicher, daß sie mit diesen Überzeugungen glücklicher werden, als wir es selber geschafft haben. Absoluter Unsinn!

Oft machen Eltern ihr Kind zu einem Teil von sich. Dies betrifft vor allem Mütter, denn Männer lassen leichter los. Häufig findet diese „Überbemutterung“ bzw. „Überbevaterung“ nicht mit der Mündigkeit des Kindes ihr Ende, sondern wird über das ganze Leben dieses Kindes gepflegt. Und das ist ein Desaster, denn es ist sehr wichtig, rechtzeitig loszulassen.

Sie werden es mir nicht glauben, aber viele meine Mandanten sind bis heute nicht in der Lage, ihre Mütter und Väter inklusive des ganzen Katalogs an Bahnbotschaften loszulassen, obwohl die Eltern vielleicht schon lange tot sind.

Eine 65-jährige Frau, zweifache Doktorin, hatte Angst, von ihrer Mutter beschimpft zu werden, obwohl diese schon lange verstorben war. Nach einer zweijährigen Therapie konnten wir diesen erdrückenden Prozeß beenden. Wir gingen zum Grab ihrer Mutter und verabschiedeten uns emotional. Meine Mandantin lebte danach noch acht Jahre und gestand mir vor ihrem Tod, daß diese die glücklichsten ihres Lebens waren.

NM: Warum ist es so wichtig, Kinder rechtzeitig loszulassen?

HWG: Da es unmenschlich ist, es nicht zu tun: Anstatt den kleinen Menschen zu einem innerlich freien und selbständigen Menschen werden zu lassen und ihm zu helfen und beizubringen, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, machen wir ihn zu unserem Besitz, den wir dann glauben, permanent vor der ganzen Welt „beschützen“ zu müssen. Und die Mutter ist dann auch noch stolz darauf, daß ihre erwachsenen Kinder sich immer noch an ihrem Rock festhalten. Eltern, wacht auf! Es ist doch widernatürlich und ungerecht! Man kann dem Kind das Angeln nicht beibringen, indem man an seiner Stelle fischt. Man sollte dem Kind besser eine Angel in die Hand geben und zeigen, wie man mit ihr zielgerichtet umgeht.

NM: Welches Alter ist am wichtigsten in der psychologischen Entwicklung des Kindes?

HWG: Erst mit ungefähr drei bis vier Jahren entdeckt das Kind zum ersten Mal sein eigenes „Ich“. Davor sagt die kleine Nadja, wenn sie über sich erzählen möchte nicht „Ich möchte“ sondern „Nadja möchte“. Denn dem Kind sind die Bedeutung, die Grenzen und der Inhalt des Begriffs „Ich“ noch nicht bewußt.

In den ersten vier Jahren sind die kognitiven Fähigkeiten noch nicht ausreichend entwickelt, um das kritische und abstrakte Denken zu gewährleisten. In diesem Zeitraum macht das Kind seinen Eltern alles nach und saugt wie ein Schwamm die Geschehnisse seiner Umwelt auf. Deshalb sind diese vier Jahre nicht nur sehr wichtig, sondern können – unter der Voraussetzung des verantwortungslosen Umgangs mit der Erziehung vonseiten der Eltern – gefährlich werden.

In dieser Zeit entscheidet sich, ob das Kind zu einem Feigling oder einer mutigen und offenen Persönlichkeit wird. Die Erfahrungen, die in den ersten vier Jahren eingeprägt werden, können zu einem Trauma für das zukünftige Leben werden. Es können, unter anderem, schmerzhafte Bannbotschaften sein, die das Kind ins Erwachsenleben mitschleppt. Denn fast alle Ängste, Komplexe und Bannbotschaften, die wir im Rucksack unseres Lebens tragen, wurden uns schon in der frühen Kindheit und meist von den Eltern eingeimpft.

Das bedeutet nicht, daß man einem Kind gleich nach der Geburt alles an Wissen, was es für das weitere Leben nötig haben könnte, in den Kopf reinstopfen muß. In dieser Zeit sollte das Kind lernen, daß es sich für alles interessieren, alles ausprobieren und vor allem fragen darf. Am wichtigsten ist dabei, dem Kind zu verstehen zu geben, daß neue Schritte zu wagen und Fehler zu machen nichts Schlimmes sind.

NM: Welches Bestrafungssystem für Kinder halten Sie für das effektivste?

HWG: Falls das Kind sich an die mit den Eltern getroffene Vereinbarung nicht gehalten hat, ist eine Bestrafung eine richtige Entscheidung. Nur darf sie nicht zu einer bösen Rache der Eltern werden, sonst verliert sie jeglichen pädagogischen Sinn. Und die Form der Bestrafung kann ruhig mit dem Kind ausdiskutiert werden – lassen Sie eine für sich aussuchen.

Ich praktizierte es immer wieder mit meinem Sohn Christian. Und Sie werden es nicht glauben, aber er suchte sich Strafen aus, die strenger waren als meine eigenen möglichen Vorschläge: Wenn das Kind von sich aus einen Vorschlag macht, spricht das für das Verständnis seiner Schuld. Dementsprechend wird der Effekt nicht lange auf sich warten lassen. Es lernt, seine Grenzen auszuloten und auch zu akzeptieren, aber auch Vereinbartes einzuhalten.

Es war aber auch wichtig, daß Christian für mich und meine Frau auch Strafen aussuchen durfte, wenn wir vor ihm schuldig waren. Einmal habe ich zum Beispiel vergessen, ihm Bescheid zu geben, daß ich ihn von seiner Nachmittagsaktivität nicht abholen und zur Geburtstagsparty seines besten Freundes bringen kann. Infolge dessen wurde eine zusätzliche Spielstunde am Samstagabend vereinbart.

Eltern und Kinder sollten Partner werden, dann werden Kinder zu freien Persönlichkeiten heranwachsen, die lernen, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Lebenskraft und Lebensfreude kann das Kind nur dann entwickeln, wenn es Selbstvertrauen spürt.

Eine kleine Ergänzung: Es ist wichtig, daß beide Elternteile in der Erziehung zusammenhalten und sich einig sind, sonst lernt das Kind, diese Widersprüchlichkeiten zum Eigenvorteil manipulativ einzusetzen.

NM: Zu welchen Konsequenzen können Handgreiflichkeiten als Bestrafungsmethode führen?

HWG: Ein Kind vergißt eine ungerechte Tat nie. Und solch eine ist die Handgreiflichkeit auf jeden Fall, denn Vater oder Mutter sind viel stärker als das Kind. Eltern, die physische Kraft einsetzen – auch wenn es sich nur um einen kaum spürbaren Klaps handelt – sind entweder zu dumm oder zu faul, eine intelligente, pädagogisch wertvollere Alternative zu suchen. Und ihre Kinder werden ihr Leben lang eine unterbewußte Aggression gegenüber dem Vater oder der Mutter, die sie geschlagen haben, spüren.

Mehr noch: Solche Kinder können in ihrem weiteren Leben unterbewußt entweder Menschen anziehen, die sie mißachten und niedermachen, oder Situationen, in denen sie sich ungerecht behandelt fühlen. Denn diese Beziehungsmodelle sind sie dann seit der frühesten Kindheit ‚gewohnt‘. Gewalt wird zu einem Beziehungsinhalt.

Übrigens, in solchen autoritären Familien sind berühmte Diktatoren aufgewachsen: Hitler, Stalin, Mao Zedong….

NM: Vor kurzem gab es in der Ukraine eine Welle von Kinderselbstmorden; hierzu führte die Teilnahme an einem in den sozialen Netzwerken popularisierten Todesspiel. Warum werden Kinder zum Opfer solcher Bewegungen?

HWG: Es handelt sich um ein Bedürfnis des Kindes, sich bemerkbar zu machen, dazuzugehören. So ein Kind hat weder eine Beziehung zu sich, noch zu seiner Umwelt. Um Aufmerksamkeit, Wärme, Zuwendung und Anerkennung zu bekommen, entscheidet sich das Kind bzw. der Jugendliche für solche Spiele. In der Regel mangelt es solchen Jugendlichen an Liebe. Und sie geraten unter den Einfluß derer, die ihnen die Möglichkeit bieten, endlich gesehen und gehört zu werden, auch wenn es sich dabei um völlig widernatürliche Inhalte handelt. Das ist eine Art von Hilfeschrei.

Als eine mildere Ausprägung dieses Phänomens können das Färben der Haare in Regenbogenfarben, ein Irokesenschnitt, Piercings über den ganzen Körper verteilt u.v.m. gesehen werden. Es handelt sich dabei um eine unterbewußte Botschaft an die Welt: „Auch wenn ich schrecklich aussehe, mich gibt es! Ich möchte endlich gesehen, wahrgenommen werden!

NM: Die Psychosomatik als wissenschaftliche Richtung behauptet, daß Krankheiten von Kindern eine Spiegelung psychologischer Probleme ihrer Eltern seien, zumindest bis ins Jugendalter hinein. Stimmen Sie mit dieser Theorie überein?

HWG: Keine Frage. Übrigens, betrifft dies auch die Erwachsenen. Jede Krankheit entsteht als Folge einer Schwächung des Immunsystems, wenn ein Mensch also nicht in der Lage ist, mit einem negativen psychischen Zustand oder mit seinen eigenen Emotionen klar zu kommen. Eine Krankheit ist eine Botschaft der Seele durch den Körper. Deshalb: Wenn Kinder krank werden, sollten Eltern sich auch mit sich selber und der Beziehung zueinander beschäftigen.

NM: Im Laufe der Woche hatten Sie einige Treffen mit Mitarbeitern von Bildungsinstitutionen: Leitern, Lehrern, Methodikern, usw. Was ist laut Ihrer Beobachtungen das Hauptproblem der Pädagogen?

HWG: An erster Stelle ein viel zu geringer Lohn – Lehrer sollten in einem Staat am meisten verdienen. Außerdem sollten sie sich nicht weiterhin als Lakaien des Systems sehen, sondern Pädagogen sein. Denn das Wort „Pädagoge“ kommt aus dem Ionischen und wird als „Wegbegleiter, Spielgefährte“ übersetzt…

Jeder Pädagoge ist ein Lehrer, aber nicht jeder Lehrer ist ein Pädagoge, der dem Kind hilft, sein Potential zu entfalten und seinen Interessen und Neigungen nachzugehen. Es ist wichtig zu verstehen, daß Kinder innerlich frei aufwachsen sollten. Zum Erfolg kann solche Arbeit jedoch nur dann werden, wenn parallel mit Kindern, Eltern und Pädagogen gearbeitet wird.

NM: Aber zukünftigen Lehrern wird ein solches Verständnis nicht an der Uni beigebracht…

HWG: Es ist auch nicht zu empfehlen, sich nur mit an der Uni beigebrachten Inhalten zufrieden zu geben; die Selbstbildung sollte nicht in Vergessenheit geraten. Falls ein Lehrer keine Berufung in sich spürt, sollte er aus dem Beruf aussteigen.

Lehrer und Erzieher als Informationsvermittler, wie wir sie heute kennen, werden in zwanzig Jahren nicht mehr gebraucht; denn jeder hat heute einen Zugang zu einer riesigen Datenmenge, einem so großen Wissen wie nie zuvor.

Aber ein Pädagoge wird immer und in jeder Gesellschaftsform gefragt sein, trotz des Ausbleibens der heutigen Form von Schule. Stattdessen wird es Schulen geben, die einen individuellen Zugang zu Wissen/Bildung in den Vordergrund treten lassen wird.

Wenn der Staat sich am alten System festzuklammern versucht und Bildung als ein Organ absoluter Kontrolle versteht, wird er damit scheitern. Wichtig ist eine Führung nach Kompetenz, Verständnis und Vorbild, keine Befehlszuweisung von „oben nach unten“.

NM: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Autorin: Natalija Mostova

Die Erstveröffentlichung dieses Interviews erfolgte im ukrainischen Magazin „MICTO №7“,  Ausgabe: Mai 2017

3Hans Wolff Graf 2 beim Interview

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