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Bericht Sojus Anthropos Kaliningrad – Neue Schritte

Bericht Sojus Anthropos Kaliningrad – Neue Schritte

Neue Schritte

Die ersten zehn oder fünfzehn Minuten stand der vierjährige Viktor da und wiederholte: „Ich werde nicht malen, ich kann nicht“. Er beobachtete, wie sich die anderen kleinen Spatzen aus dem ganzen Dorf versammelten und die ganze Welt vergessend ihre Meisterwerke kreierten. Dann kam der kleine Viktor auf mich zu, krabbelte auf meinen Schoß und beobachtete ruhig weiter, wie ich malte. Nach ein paar Minuten sagte er: „Schön klappt es bei dir! Aber bei mir… Nein, es klappt nicht mit Wasserfarben, ich will nicht“. Dann sah er ein kleines Ausmalbuch bei der Staffelei und fragte sehr leise: „Darf ich einen Hasen aus dem Buch ausmalen?“ – „Willst du ein großes Ausmalbuch mit bunten Malstiften?“ – „Ja, ich will, ich will auch mit Wasserfarben ausmalen“. Sorgfältig versuchte er mit dem Pinsel nicht über die Linie zu zeichnen: „Ist es schön, Sweta? Welche Farbe gefällt dir am besten? Ich mag diese Farbe“.

Viktor auf dem Schoß von Swetlana Dovzhenko

Viktor beim Malen – allein!

So war der Beginn des Projektes von Swetlana RaenkowaDie Welt der Farben“ in dem kleinen Dorf Lwowskoje, das die Augen der Dorfkinder mit funkelnder Freude füllte. Sie fühlten sich wie echte Künstler und liefen stolz nach Hause, um ihren Eltern die wunderbaren Bilder in echten Rahmen zu zeigen. „Wann kommt ihr das nächste Mal? Wir werden auf euch warten!“ Wir, die Erwachsenen, warten selbst auf diese Treffen mit den Kindern aus Lwowskoje. Für sie ist eine solche Veranstaltung ein Ereignis, eine große Sensation. Für uns ist es eine Freude, ihre glücklichen Augen zu sehen, zusammen zu malen, Bilder aus Knete zu modellieren, über Träume und über die Zukunft zu reden. Inzwischen liegt schon das dritte Treffen hinter uns.

Swetlana Raenkowa mit zwei ihrer Anfänger-Künstlerkinder

Am 22. Juli machten wir uns auf den Weg nach Lwowskoje zum ersten Kinderfestival namens „Die Welt der Kindheit und Kreativität, das zu einer jährlichen Veranstaltung werden soll. Wir hatten wunderbare Geschenke für die Dorfkinder dabei: Lieder, Spiele, einen Workshop der Folksgruppe „Talitsa“ unter der Leitung von Swetlana Rakeewa, dem wunderbaren Schnitzer Denis Tschuew (wir lernten Löffel zu schnitzen) und der Fee-Künstlerin mit Talismanpuppen Olga Golubkina-Goetz.

Fortgesetzt wurden unsere bereits mehrjährigen Projekte: „Lebensakademie“ und „Elternakademie“, in der es keine Akademiker und keine Studenten gibt. Das sind Seminarrunden, bei denen sich Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und einem unterschiedlichen Schatz an Bewußtsein und Vorstellungen treffen und gemeinsam nach Antworten auf ihre Fragen suchen. Es entsteht dabei die Gelegenheit, die Probleme, die wir in unserem täglichen Leben – in der Familie, mit Kindern, mit Freunden, mit Kollegen und mit uns selbst – erleben, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. „Vertrauen zu sich selbst und zur Umwelt“, „Ich muß, ich bin verpflichtet, ich bin schuld – wie ist es möglich, diesen Kreis zu brechen“, „Der Schmerz ist unser Freund oder Feind?“, „Träume, Ziele – Handlungsfreude“, „Freiheit der Gedanken und Gefühle, Freiheit in der Beziehung mit uns selbst und mit anderen“ – waren Themen unserer Seminare in diesem Jahr unter der Leitung von Jurij Deschkowitsch und mir. Die Themen der Seminare von Hans-Wolff Graf werden wieder und wieder zu einem „Fest“ für Seele und Geist.

Ich werde nicht müde, Dir, lieber H.-W., für Deine Großzügigkeit, geduldige Begleitung, neuen Ideen, Gedanken und immer neue Nuancen zu danken. Das hilft mir selbst und dabei, die Beziehungen mit Anderen und der Umwelt immer tiefer zu verstehen und mein eigenes Leben klarer und erfüllter aufzubauen.

Aber nicht nur ich bin dieser Meinung:

Rückmeldungen aus Kaliningrad – März 2018 mit Hans-Wolff Graf

Neun wunderschöne, intensive, tiefe Tage mit Trainings, Seminaren, Gesprächsrunden, Gedanken und Treffen… Danke Euch allen – Dir, Hans-Wolff Graf für Deine Großzügigkeit und weise, geduldige Begleitung, Dir, Inna Cherenkowa; ich weiß nicht, aus welchen Ecken Deiner großen Seele Du die Kräfte gewinnst, 19 Stunden am Tag zu übersetzen; Aleksandra Kaplina, die so sensibel übersetzt; danke an alle, die bei der Organisation dieser Tage geholfen haben, an alle aktiven, offenen und interessierten Teilnehmer für die wunderbaren Tage!

Danke und bis zum neuen Treffen – schreiben Sie, schlagen Sie uns Ihnen wichtige und interessante Themen vor, dann werden wir wieder mit großem Vergnügen unsere Runden, unsere feierlichen Geschenke für unser eigenes DenkFühlen organisieren.

Swetlana Dowzhenko

Die Wochen mit Hans-Wolff Graf sind jedes Mal durch neue Impulse und neue Entdeckungen für mich und in mir selber bereichernd. All das ist ein sehr wichtiger und spannender Prozeß für mich. Dieses Mal war das Thema „Schmerz“ solch ein neuer Impuls für mich gewesen und auch, daß nicht nur unser Körper schmerzen kann, sondern auch unsere Seele und unser Geist. Für mich ist diese Woche eine Möglichkeit geworden, in mich hinein zu schauen, ob es irgendwelche Themen gibt, die mich belasten und deshalb meine Seele schmerzen. Die Befreiung von solchen Problemen ist ein Schritt zu unserer Freiheit.

Inna Cherenkowa

Jedes Treffen mit Menschen ohne Grenzen, mit so einem wie Hans-Wolff Graf, hilft, wie durch ein Fernrohr, neue Horizonte und Tiefen des Ozeans unseres Lebens wahrzunehmen und zu erkennen. Näher betrachtet findet man Sachen, die man berühren, besitzen und mit auf den grenzenlosen Weg nehmen will, aber auch die, von denen man sich wie von einer auf die Schultern gefallenen Last befreien will.

Und das Erstaunlichste ist, daß einem die Existenz von zwei spannenden Wegen bewußt wird, der eine führt in die Grenzenlosigkeit und Vielfalt unserer Umwelt, der andere – nicht weniger interessante – in die Tiefe, zu sich selber.

Die beiden Wege sind wie zwei Leben, die sich gegenseitig ergänzen, die ein großes Ganzes bilden – unser Leben. Eines, von dem wir alle träumen, doch wie es in Wirklichkeit weiter geht, hängt von uns ab.

Dank der Seminare, Gesprächsrunden, Trainings unter der Leitung von H.-W. öffnen sich feine und logische Zusammenhänge dessen, was in und um uns herum passiert, was uns daran hindert, weiter zu gehen, was unsere Wünsche reduziert, was unsere Möglichkeiten erweitert und uns frei macht – was ich jedem von Herzen wünsche.

Juri Deschkowitsch

Die Philosophie der ‚Individuellen Transsystemischen Psychologie‘ (ITP) lesen Sie auf Seite 36 Hierbei hat Hans-Wolff Graf viele psychologische „Schulen“ (Freud, Gestalttherapie, Transaktionsanalyse (TA), u.v.a.) und Denkmodelle verbunden, durch seine jahrzehntelange Erfahrung weiterentwickelt sowie eigene Modelle hinzugefügt. Seite psychologische Sicht ist meinem DenkFühlen sehr nahe. Vor allem, weil sie nicht systemisch ist, was bereits von der Bezeichnung abgeleitet werden kann – „transsystemisch“, aus dem Lateinischen „durch, über, hinaus“, also offen und lernbereit. Deshalb kann ich mich so sehr damit verbinden.

Diese Philosophie bereichert mein Leben durch Impulse, zu lernen, mich weiterzubilden und zu entwickeln; meine eigenen Wünsche zu entdecken, vor allem diese zu verwirklichen; lebenslang auf der Suche zu bleiben und sich Ziele zu setzen, unabhängig von Alter, Familienstatus und Beruf, da wir nur so glücklich und frei werden können.

Das Thema „Schmerz“ wurde in all seiner Breite und Tiefe beim zweitägigen Seminar in der Tschechow Bibliothek entfaltet, natürlich mit einer aktiven Beteiligung der Teilnehmer. Besprochen wurde sowohl Schmerz selber – je nachdem, wo er herkommt: körperlich, seelisch oder geistig –, als auch seine Wirkung, Bedeutung sowie Ursachen und Methoden, wie man an den Schmerz herangeht. Aber der wichtigste Aspekt war für mich die Prophylaxe, wie man der Entstehung von Schmerz vorbeugen kann – sauber und ehrlich mit sich selber umgehen, sich mit den eigenen Mechanismen und Verhaltensmustern auseinandersetzen, die einen daran hindern, frei zu sein, aufmerksam mit Gefühlen und Gedanken umzugehen, ohne sie zu verdrängen oder zu unterdrücken, damit sie nicht zu Explosionen oder gar zu Krankheiten führen.

Am Elternseminar nahmen auch viele potentielle Eltern teil – Studenten, Jugendliche, die noch keine Kinder haben, aber sich mit dem Thema bereits beschäftigen, was Freude und Hoffnung für zukünftige Generationen mit sich bringt. Unabhängig davon, ob sie Ihrem Kind oder sich selber helfen wollen, sollten sie bei sich selbst anfangen. Eltern können bei ihrem Kind nicht Eigenschaften und Fähigkeiten erziehen, die sie selber nicht besitzen. Egal, wie stark sie ihrem Kind eine „bessere Zukunft“, ein „besseres Leben“ oder „den besseren Weg im Vergleich zum eigenen“ wünschen, geben sie ihm keine Chancen dazu, weil die meisten vergessen, ihr eigenes Leben zu entwickeln und zu verbessern, Fehler zu machen und aus denen zu lernen, Fragen zu stellen und Antworten auf diese zu suchen. Deshalb ist es so wichtig, selber eigene Ziele und Wünsche zu haben. Noch wichtiger ist, sie zu erleben, wenn wir unseren Kindern wirklich „etwas Besseres“ wünschen. Kinder brauchen Vorbilder und keine „Besserwisser“. Also es ist nie zu spät für (v)erwachsene Eltern und nie zu früh für junge Menschen!

Aleksandra Kaplina

Jedes Mal warte ich ungeduldig auf die Kalinigradwochen mit Hans-Wolff Graf und freue mich ungeheuer auf die Treffen, Seminare, Vorträge. Ob die Veranstaltungen in der Tschechow Bibliothek, in den Sozialzentren der Oblast, in unterschiedlichen Bildungsinstitutionen für Kinder, Jugendliche und Kinder mit besonderen Bedürfnissen stattfinden, man lernt immer etwas Wichtiges, Neues, Interessantes und Motivierendes – für die eigene Seele, den eigenen Geist, das eigene Leben.

Dieses Mal kam H.-W. wieder mit neuen Ideen, beseelenden Projekten und einem neuem, von Aleksandra Kaplina ins Russische übersetzten Artikel „Psychologie des Schmerzes“, dank dessen man den Schmerz anders betrachten, wahrnehmen und verstehen lernen kann – nämlich nicht nur im Körper oder der Seele, sondern auch im Geist. Ich habe nie gedacht, daß man dem Schmerzen dankbar sein kann – für eine Warnung vor einem realen Problem, sei es im Körper, in der Seele oder im Geist, und daß man den Schmerz ohne Angst und souverän als einen guten und treuen Freund betrachten kann.

Ekaterina Gribanowa

Fragen, die sich Eltern stellen

„Ich kann selbst, ich bin schon groß! Geheimnisse der Pädagogik – wir lernen, das Gleichgewicht zwischen Fürsorge und Loslassen zu finden“, „Was ist das, ein selbstbewußtes Kind?“, „Vertrauen, Nähe, Bindung“ – dies waren Seminarthemen für Eltern in der Tschechow Bibliothek und im Zauberkindergarten „Zu Besuch bei Märchen“, mit wunderbaren Eltern und bezaubernden Pädagogen, die auf der Suche nach vielen Antworten sind – Olesja, Pawel, Nora, Wera, die Arbeit mit Euch ist immer so herzlich!

Es freut mich sehr, daß mehr und mehr interessierte, offene und aktive junge Menschen, auch Männer – echte und zukünftige Väter – zu unseren Seminaren kommen. Es verändert sich etwas in unserer Welt. Diese Veränderungen bei und in den Teilnehmern von Seminaren – kleine Schritte auf so einem breiten Weg, auf dem Weg des eigenen Lebens – erfüllen mich mit Begeisterung und dem Wunsch, diese Lieblingsprojekte weiterzuführen, neue Schritte und Projekte zu unternehmen, um wieder und wieder zu hören „Danke, in Wirklichkeit sieht alles doch einfach aus“, „nein, ich schaffe es nicht…doch, ich probiere… es hat geklappt!“, „ich will ICH sein, ich will frei sein von Ängsten, ich will glücklich sein“!

Nochmal vielen Dank an alle, die in diesem Jahr da waren, dank Euch leben unsere Projekte weiter – Ruth und Hans-Wolff Graf, Ludmila und Jürgen Leiste, der seit mehr als 25 Jahren zwischen Berlin, Kaliningrad, Osjorsk, Lwowskoje und Krasnolessje hin und her fährt; er bringt mal Rollstühle, mal Schuhe, Medikamente für Kinder oder neue Ideen. Inna Cherenkowa – ich weiß nicht aus welchen Tiefen deiner Seele Du die Kraft nimmst, bis zu 19 Stunden am Tag zu übersetzen, Aleksandra Kaplina, sie unterstützt beim Übersetzen, wenn die Augen bei Inna vor Müdigkeit zufallen, Nadin FiIlipowa – unsere wunderbare Fotografin –, Anastasiia Sydorenko, Nicola Trautner, Elena Kotowa, Aleksandra Rasputina, Viktor Kalenkowitsch, Juri Deschkowitsch, Julia Gretsyschina, Nadeshda Pawelko, Ekaterina Gribanowa, Juri Kaplin, Elena Medwedenko, Dmitrij Dergunow und die vielen vielen Anderen!

Ich wünsche allen Gesundheit und viele, viele Momenten der Freude und des Glücks! Auf ein baldiges Wiedersehen zu weiteren gemeinsamen Schritten und Projekten in Rußland, Deutschland und der Ukraine!

 Swetlana Dovzhenko, Präsidentin des ‚Sojus AnthroposKaliningrad

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